Full text: Studien zum Meistersinger Jörg Schiller

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stersingerlitcratur sogar von einem Meistersinger Heinz 
Schüller gesprochen. Darauf sowie auf einen andern ¡Fall wird 
späterhin noch einzugehen sein. 
Der Familienname „Schiller“10 12) selbst verweist uns 
eindeutig nach Oberdeutschland; er ist ein ursprünglich und 
spezifisch oberdeutscher. So nimmt ihn z. B. schon Ludwig 
Steub in sein Büchlein „Die oberdeutschen Familiennamen“11) 
auf. Pott1-) stellt Schilcher zu Scheicher; „sehe Ich aber ist 
ein durchaus oberdeutscher Ausdruck für schief, schräg, 
krumm; scheel, schielend; uneigentlich für arglistig, betrüge¬ 
risch; dazu stellt sich schelchen — schief oder krumm gehen“. 
Als Belege bringt er „J. P. Schilcher Homilet. Frühpredigten, 
und v. Schilcher in Bayern, wahrscheinlich aus mhd. schilher 
(lippus triefäugig, mit entzündeten Augen . . ., strabus schie¬ 
lend) s. Diefenbach Wb. S. 170. Nicht unmöglich, daß hieraus 
auch Schiller . . .“ R. Kleinpaul-H. Naumann13) jedoch erklä¬ 
ren bestimmter und eingehender; „Schiller, alter schwäbischer 
Name, der aus Schilher entstanden ist und Schieler bedeutet; 
die Vorfahren des Dichters [—gemeint hier natürlich unser 
Klassiker Friedrich Schiller —] im 14. bis 15. Jbdlt. hießen 
Hans Schilher, Ulrich und Hans Schilcher . . . denselben Na¬ 
men führt ein hellroter, in zwei Farben spielender Wein.“ In 
Oberdeutschland werden wir also hauptsächlich Träger die¬ 
ses Namens zu suchen haben. 
Bevor wir uns also den Äußerungen der Literarhistoriker 
des 19. und 20. Jhdts. über Jörg Schiller zuwenden, betrach¬ 
ten wir einmal kurz die Urkunden, Chroniken etc. des bayri¬ 
schen und schwäbischen Gebietes, wie sie etwa in den „Monu- 
menta Boica“, dem „Oberbayrischen Archiv“, den „Forschun¬ 
gen zur Geschichte Bayerns“ (später vereinigt mit dem Ober- 
10) Adolf Socin, Mittelhochdeutsches Namenbuch, Basel 1903 
bringt keine Belege für den Namen „Schiller (Schilher, Schilcher)“. 
Er führt nur zweimal „Otto der schilehenta“ (S. 268 u. 458) auf, ferner 
mehrere „Schüler“, dazu Schilin, Schilgerin usw. 
11) München 1870, S. 125. 
12) „Personennamen“, Leipzig 1853, S. 190. 
13) „Die deutschen Personennamen, ihre Entstehung und Be¬ 
deutung“, Sammlung Göschen,2 1921, S. 96/7.
	        
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