Full text: Augsburger Schultheater unter Sixt Birck

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Ganz unverändert blieben die offne Südseite und die durch 
das Quergebäude bestimmte Ostseite, und auch die im Westen 
begrenzende Mauer wird ähnlich wie die Hoffassade des Neuen 
Gymnasiums verlaufen sein. Nur im Norden wird die Aus¬ 
dehnung des Hofes etwas größer anzunehmen sein. 
Ls bleibt übrig, die Lage des heute nicht mehr vor¬ 
handenen Brunnens festzustellen. Burckart Zinks Chronik^ 
berichtet, daß man 1416 begann, in der Stadt ,,rörprunnen" 
aufzustellen, darunter auch einen einröhrigen im Karmeliterkloster. 
Die Chronik des Wilhelm verzeichnet für 1515 die 
Errichtung eines Marmorbrunnens im Klosterhof. Als Elias 
Holl dann 1613 das Gymnasium erbaute und noch verschiedene 
Ambauten im Annahof ausführte, erneuerte er auch den 
Brunnen^. In dieser späten Gestalt, als niedriges recht¬ 
eckiges Becken mit einer pinienzapfengekrönten einröhrigen 
Säule an der einen Schmalseite zeigt ihn der Stich des Lucas 
Kilian (um 1620)m fast an der Südgrenze des Hofes in 
der Mitte zwischen Querbau und Bibliothek. Ob dieser Brun¬ 
nen, der schon auf dem Stich von Simon Grimm 1678169 173 
fehlt, wirklich an der ursprünglichen Stelle stand, ist nicht 
nachzuweisen, die Lage an der alten Durchgangsstraße des 
Klosters macht es zumindest nicht unwahrscheinlich. 
Ehe man daran geht, den eigentlichen Spielplatz auf diesem 
Hof zu bestimmen, müßte die Frage entschieden sein, ob bei 
der Aufführung wirklich nur Vorhandenes ausgenutzt wurde, 
oder ob besondere Bühnenaufbauten errichtet wurden. Da weder 
Bircks Hinweis auf die Eignung des Platzes noch der Vergleich 
mit Basel Sicheres ergibt, muß festgestellt werden, ob der 
Hof ohne Zutaten und Veränderungen den Bühnenanforderun¬ 
gen der als aufgeführt nachgewiesenen Dramen genügen konnte. 
Ist das zu beweisen, so liegt kein Grund vor, eine Komplizie¬ 
rung, für die positive Hinweise fehlen, anzunehmen. 
Wenn ohne besondere Aufbauten aus dem Platz — zu¬ 
nächst in der Gestalt, die er vor 1548 hatte — gespielt werden 
sollte, so gibt es überhaupt nur eine Möglichkeit für die An¬ 
169. Augsbg. Chroniken Bd. II S. 145. 
170. Augsbg. Chroniken Bd. V S. 44. 
171. Holl', E., Selbstbiographie herausg. v. C. Meyer, Augsbg. 
1873. 
172. lob. OeorZ. Hertelius arcularius delin. Lucas Kilian sculps, et 
excudit. (Sammelbd. 21, 3, Bibl. Augsbg.) — Zur Datierung: Heu- 
polt (1623): „.. der Schulbaw in Kupffer Wirt Artlich gstochen vnd 
gradiert Bon Luca Kilian mit sleiß...". 
173. Hieber, H., Elias Holl. München 1923. Abb. 16.
	        
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