Full text: Augsburger Schultheater unter Sixt Birck

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lichkeit nach wurde die 8u83.nna als erstes Stück nach Bircks 
Uebersiedlung gespielt, sie wäre dann mit dem frühesten Auf- 
sührungsdatum der Baumeisterbücher zusammenzubringen, das 
dem Erscheinungsjahr des Druckes entspricht: 
Sonntag, den l. Sept. 1537: 8u.L3.nna. 
Von weiteren Aufführungsdaten: Sonntag, den 21. Febr. 
1540 und Sonntag, den 16. April 1541 ist das eine in Be¬ 
ziehung zur ^uclitkl-Aufführung zu setzen, während man für 
das andere an eines der übrigen Birckstücke — vielleicht die 
dreiaktige Salomon -Fassung — oder an einen nicht-augs- 
burgischen Neulateiner^ denken kann, da ja Ziegler und die 
anderen Dramatiker-Kollegen in dieser Zeit noch nicht in 
Betracht kommen. 
Für die Jahre 1546—1549 fehlen Aufführungsdaten, und 
es ist anzunehmen, daß man mit Rücksicht auf die schwierigen 
politischen und religiösen Verhältnisse dieser Zeit auf die Ver¬ 
anstaltung von Schulaufführungen verzichtet hat. 
Erst um Sonntag, dem 22. Rov. 1550 verzeichnen die 
Baumeisterbücher wieder eine „vereerung" für eine Auf¬ 
führung und zwar diesmal wieder ausdrücklich für ,,Sixt 
Birrken", während in den vorhergehenden Jahren immer von 
den ,,schulmaistern zu St. Anna" ganz allgemein gesprochen 
wurde. Das legt die Annahme nahe, daß Birck in diesem Jahr 
noch einmal ein eigenes Drama zur Aufführung gebracht 
123. An dieser Stelle erhebt sich die Frage, ob am Augsburger Anna¬ 
gymnasium auch Aufführungen römischer Komödien veranstaltet wurden. 
Die einzige Erwähnung von Terenzaussührungen findet sich bei F r ö s ch e l 
S. 65 f.; . wie ich dann selbst in Terentianis Thais, Philotis, Antipho ... 
gewest bin". Es handelt sich also um Aufführungen des Eunuchen, der 
Hechra und des Phormio. Von der ersten dieser Aufführungen berichtet 
Fröschel dann weiter: . . und weil ich auch seiner Gn. sAnton Fuggerj 
das vorder Jhar Ao [15]42 im Eunucho Terentiano sub persona Thaidis 
gefallen, wie hernach anzuzeigen . . . haben seine Gn. mich zum Studieren 
zuverlegen gnädig bewilligt . . . Mit der Comedi obgemeldt, ist es also 
gangen: das ich mt allein, was für meine Person sondern auch deren so mit 
mir zureden gehabt, Wohl auswendig könnt, wann einer gefehlt ihm ge- 
holffen. Als nun die Lomedi inn Gn. Anthoni Fuggers gemach drinnen 
ein Ende gehabt, rufst mir die Frau Fuggerin zu slch unter das frauen- 
zimmer, fragt mich, mein Jungkfrau wie Haisset ir, ich schämt mich fast 
und dachte nicht ann mein Latinisehen Namen, Thais, sondern sagt ein¬ 
fältig heraus „Hieronymus". Das gab ein gras gelächter unter dem 
frauenzimmer und sagt die Frau zu ihrem Herrn Anthony Fugger, Ach 
mein Herr^ ich hab mein lebenlang kein Jungkfrau gesehen, die hierony- 
mus geheimen hat. Lackt seine Gn. auch mit, Boten mir die Hand und 
ließen mich ziehen . . ! — Der ungewöhnliche Spielort und das Fehlen 
aller sonstigen Spuren der Terenzaussührungen machen es wahrscheinlich, 
daß es sich um besondere Veranstaltungen handelte, die nicht im eigent¬ 
lichen Zusammenhang mit den neulateinischen Aufführungen standen.
	        

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