Full text: Augsburger Schultheater unter Sixt Birck

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sion, um deren Erhaltung Birck sich so sehr bemüht. 
Neben der Immolatiosind Zieglers blomolhesia und Diethers 
Joseph die krassesten Beispiele: die Nomothesia bringt die vier¬ 
zigjährige Wüstenwanderung in fünf Akte, während Diether 
seine Vorbilder Birck und Crocus weit „übertrifft" und die 
ganze Vorgeschichte mit Josephs Verkauf wie das Wiedersehen 
mit Jakob um die Ereignisse in Aegypten herumstellt. Wenn 
auch in einzelnen Fällen Versuche gemacht werden, wenigstens 
größere Z eitabläufe durch Aktschlüsse, Chore oder Deckszenen 
zu markieren, so herrscht doch im ganzen völlige Willkür. 
Bei Birck selbst treten im Gegensatz Unregelmäßigkeiten in 
der Zeitmarkierung nur dadurch ein, daß er aus Formgründen 
einen Aktschluß auch dort hinlegt, wo gar kein Zeiteinschnitt 
zu kennzeichnen ist. 
Auf einer anderen Stufe als die von Birck zwar stark 
beeinflußten, im ganzen aber doch selbständigen Komödien von 
Lorichius, Diether und Ziegler stehen die von Schülern Bircks 
übertragenen Stücke: der Zorobabel des Entomius und der 
Beel des Ostermincher. Sie sind fast wörtliche Uebersetzun- 
gen der alten deutschen Stücke, neu ist nur die Fünfaktigkeit 
und die Unterteilung in Szenen. Von einer selbständigen 
Bühnenvorstellung ist keine Spur vorhanden. Es kann vorweg¬ 
genommen werden, daß diese Uebertragungen schulmäßige 
Uebungen sind, die nicht für eine bestimmte Aufführung ent¬ 
standen, jedenfalls nicht für das Augsburger Gymnasium^?. 
Ehe sich etwas über die drei letzten der Dramata Sacra 
sagen läßt, muß man für die Entstehung des ganzen Bandes 
eine Erklärung suchen. Wie kommt ein Basler Drucker dazu, 
einen Sammelband zu veröffentlichen, dessen weitaus meiste 
Stücke im Kreis des Augsburger Gymnasiums entstanden? 
Wie ungewöhnlich das ist, kann man beurteilen, wenn man 
vergleicht, was Brylinger in seiner 1541 ebenfalls zu Basel 
erschienenen Dramensammlung^o« vereinigt: er bringt Bircks 
Su8anna, also nur sein berühmtestes Werk mit neun Haupt¬ 
werken der neulateinischen Dramatik — darunter dem Acolast 
des Gnapheus, dem Joseph des Crocus, drei Dramen des 
Macropedius und dem Pammachius des Naogeorg — zusammen, 
107. Aus der Widmung bei Ostermincher geht mit großer Wahrschein¬ 
lichkeit hervor, daß er das Stück erst übertrug, nachdem er das Augsburger 
Gymnasium verlassen hatte und in Ingolstadt studierte. — Auf ihn und 
Entomius könnte sich die Erzählung des Nysaeus beziehen, die davon 
spricht, daß B. besonders begabte Schüler auch außerhalb des Unterrichts 
u. a. in Poetik unterwies. 
108. Comoediae ac tragoediae aliquot ex novo et vetere testa- 
mento desumptae . . . Basileae per Nicoiaum Brylingerum, anno 1541.
	        
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