Full text : Zur Entwicklung und Bedeutung des deutschen Meistergesangs im 15. und 16. Jahrhundert

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1829  erschien  ein  anspruchsloser  Einakter  von  Gubitzh,  in
dern  Hans  Lachs  die  pädagogisch  zugespitzte  Kolk  eines  Heiratsvermittlers
  spielt.  Fluch  in  dem  vieraktigen  Drama  Deinhardsteins'),
  zu  dem  Goethe  einen  Prolog  schrieb,  bleibt  die  Meisterkunst
  im  Hintergründe.  Wichtig  ist  außer  der  Liebesgeschichte,
die  sich  um  die  Goldschmiedstochter  Kunigunde  und  ihre  beiden
Bewerber,  den  jugendlichen  Hans  Sachs  und  den  geckenhaften
Ratsherrn  Eoban  Runges,  dreht,  die  gegnerische  Stellung  der
Meister  zu  Sachs,  dessen  überragender  Genius  ihnen  verhaßt  ist.
Eine  Bearbeitung  dieses  Dramas  liegt  in  Philipp  Negers
Textbuch  zu  Lortzings  Gper  „Hans  Sachs"  vor'),  hier  sorgte  zugleich
die  Notwendigkeit  eines  Thors  für  ein  starkes  kollektivistisches
Moment;  das  preissingen  zwischen  Sachs  und  seinem  Nebenbuhler
Eoban  Hesse  (sie),  das  mit  der  Krönung  des  letztern  durch  die
Meister  und  mit  der  Huldigung  des  Volkes  für  Sachs  endet,
zeigt  freilich  eine  Mischung  aus  geschichtlichen  und  phantastischen
Zügen.
Fluch  Flugust  Hagen  hat  in  seiner  Novelle  „Die  Singschule
der  Meistersinger"''')  ein  Bild  der  meistersingerischen  Einrichtungen
entworfen:  auch  bei  ihm  finden  wir  ein  Wettsingen,  diesmal,
recht  anachronistisch,  zwischen  Beheim,  Sachs  und  Peter  Bischer,
die  sich  im  preise  Dürers  vereinigen.
Zwei  Werke  der  nach-Wagnerischen  Literatur,  die  beide  im
Iubiläumsjahr  1894  erschienen,  seien  bereits  hier  genannt;  es
ist  dies  das  Festspiel  von  Gutjahr  und  Geißler,  zu  dem
Tursch-Bühren  die  Musik  schrieb,  und  ein  Drama  von  Martin

')  $.  ED.  ©  u  b  i  tj,  h.  Sachs  ober  Dürers  Festabend,  bramat.  Gemälde,
Iahrb.  deutscher  Bühnenspiele,  Hrsg.  v.  K.  v.  fjoltei,  8.  Iahrg.,  Berlin  1829,
S.  83—128.
2)  Hans  Sachs,  Wien  1829.
*)  Ursprünglich  hieß  der  Gegenspieler  Coban  Hesse:  man  hat  lange,
aber  grundlos  eine  Anspielung  dieses  Humanisten  auf  Nürnberger  „indoctissimi
  idiotae"  als  eine  Verspottung  Sachsens  angesehen;  vgl.  Eichler
a.  a.  (D.  S.  3.
4) Heclam  Nr.  4488,
B)  Nugust  Hagen,  Norica,  das  sind  Nürnbergische  Novellen  aus
alter  Zeit,  5.  Nufl.,  Lpz.  1876,  S.  251—276;  schon  in  der  Novelle  „Der  störrische
  Schuster"  S.  161—179  war  Sachs  als  humorvoller  Handwerker  aufgetreten.

            
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