Full text: Zur Entwicklung und Bedeutung des deutschen Meistergesangs im 15. und 16. Jahrhundert

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$std)s hat von seinen Spruchgedichten in manche seiner Lieder 
die Gewohnheit übernommen, sich am Schluß zu nennen; aber 
auck bei Mols Gernolt und Joseph Vle finden wir diesen Brauch. 
Kurzen, sentenzmätzigen Bbschluß haben wir schon bei Holz 
(Nr. 20: die Meiber „bunt kurczen mut unct lange cleider“)» 
dann aber besonders wieder bei Sachs: ein Unglück kommt 
selten allein; keine List über Hrauenlist; ein Narr macht zehn 
Narren; unverhofft kommt oft: derartiger Schlüsse sind seine 
Gedichtbände ooll1). 
Die allegorischen Schlüsse deuten, wo sie nicht das Ulte Testa¬ 
ment durch das Neue erklären, etwa eine Gleichnisrede Jesu in 
allen Tinzeilheiten aus-) oder veranschaulichen einen Türkensieg 
durch die Erzählung von der Schlangenschlacht oder setzen den 
Drachen, der des Negulus Heer schädigte, mit einem modernen 
Tyrannen in paralleles. 
(Dft ist die Moral Hans Sächsischer Erzählungen nüchtern 
oder gar läppisch. Das Ergebnis der Geschichte von hero und 
Leander ist: 
„Wo noch unelich lieb entprende, 
Lest sie nach ihr ein draurig ende“4) 
Die Schluß-Sentenz der Gdipus-Geschichte lautet: 
„Daraus kumpt ein sprich wort gemein: 
Wen reitet ein unglueck, 
Dem kumpt ein unglueck nicht allein, 
Ein unglueck dregt das ander auf dem rueck“5). 
Oder Eirce hat soeben aus Eifersucht die Meerjungfrau Scilla 
in eine Klippe verwandelt; da heißt es denn: 
„Also in lieb muescht sich viel ungluecks vnder, 
Eyffer neid has zoren darpey 
Vnd zawberey 
Wird mancher mensch noch zv ainem merwunder1'6). 
‘) bei Arnold S. 62 ff.; 64 f.; 99 ff. vgl. außerdem wickrams N)ke. 
Bd. l S. XVlff.; töött.ijj. 72-73; 243'-244'; Verl. Hs. 341-353 
(dieses Lied von Martin Gümpel von Straßburg, welches das ganze Vuch 
Esther in verkürzter Gestalt versifiziert, enthält noch eine besondere Schluß- 
Sentenz des Abschreibers: „Dises lied ist so falsch das es nit wol zu 
Corigiren ¡st, leichter wer ein neues zu machen“). 
h z. B. Gött. h s. 127'-129'. 
3) Sachs bei Arnold S. 101 f.; 103 f. 
4) Drescher, Studien II Anh. Nr. 4. 
&) Ebenda Nr. 12. 
ß) Gött. hs. 41'—42'.
	        

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