Full text: Zur Entwicklung und Bedeutung des deutschen Meistergesangs im 15. und 16. Jahrhundert

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ltdjL). In einigen Liedern, bei denen der Inhalt das nahelegte, 
nimmt der Schluß die Form eines Gebets arE). 
Mehr Interesse bieten die tendenziösen Schlußmoralen, die 
eine spezifische, wenn auch nicht ausschließliche Zugabe Hans 
Sächsischer Bibelparaphrasen sind. Der babylonische Feind der 
Juden oder auch der Pharao wird dem Papste gleichgesetzt, gegen 
den der Dichter die Hilfe Gottes anruft. In andern Liedern 
werden katholische Vorstellungen bekämpft). Ja, einige Gedichte 
aus den Jahren 1548—1552, die ihre Tendenz gegen die „Ty¬ 
rannen" richten, haben direkten Bezug auf Albrecht Klcibiades, 
der die Reichsstadt Nürnberg einer schweren Belagerung 
unterzog und gegen den Hans Sachs seinen berühmten Klage- 
spruch vom l6. Juni 1552 richtete, wie er auch wenige Wochen da¬ 
rauf das 34. Kapitel Jesaja in eine Prophezeihung des Zornes 
Gottes und einen geharnischten Protest gegen die Tyrannen um- 
dichteteh. vereinzelt ist dagegen die rein weltliche Buslegung 
ff ebenda 87'-88'. weit seltner die Deutung einer neutestament- 
lichen Erzählung durch parallelstellen aus dem ñlten Testament: Verl, 
h l 153 ff. 
2) ©ött. Hs. 15'—17; 153'—155; 263-264 
ff ebenda 77-78'; 90-91'; 141—142'; 105'—107'; Berl. Hs. 
122 -126 
ff ©ött. Hs. 241 '—243'; ähnlich 227'—229 und Berl. hs. 187— 
190. vgl. auch ©ött. h s. 249'—251. vom 16. 3ult 1554 ist der etwas 
blaß allegorisch gehaltene Plassenburg-Dialog datiert, worin Sachs die Zer¬ 
störung der dem Markgrafen gehörigen Burg befürwortet; vgl. Siegfr. w e r - 
nicke, Die Prosadialoge des h. 5., Diss. Berlin 1913. hier sei noch der 
Schluß eines weltlichen Liedes über einen persischen Tyrannen beigefügt, 
©ött. Hs. 51' — 52': 
„Wer noch dint aim tirannen recht 
Der lonet im zv letz 
gleich wie der deuffel seinem Knecht 
kumpt er im in sein netz.“ 
vemerkenswert ist auch der patriotische Schluß zweier anderer weltlicher Lieder 
aus den Jahren 1546 und 1547: im ersten wird, nach plutarch, die Ge¬ 
schichte der ñretaphila erzählt, die, von einem Tyrannen zur The gezwungen, 
gegen ihn und seinen Nachfolger Verschwörungen anstiftet, mit Mühe der 
Folterung entgeht und.ihr Leben im Kloster beschließt: ©ött. Hs. 276' — 
278; der Dichter preist sie hoch wegen ihrer Treue und schließt: 
„Wer noch trew ist seim vaterlant 
Erlangt lob preis vnd Er“.
	        
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