Full text: Zur Entwicklung und Bedeutung des deutschen Meistergesangs im 15. und 16. Jahrhundert

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mag als ainen Spruch, oder singen als ain liet.“ Bet allem Talent 
war Beheim doch kein ganzer Künstler, wie er es als Mensch 
bei aller verstandesmäßigen Einsicht in das Richtige doch zu keinem 
erträglichen Verhältnisse zu lvelt und Mitmenschen brachte. 
Buch unter denjenigen Liedern des 15. Jahrhunderts, die 
sich einer größeren Gruppe nicht unterordnen lassen, finden sich 
solche, die den Meistergesang selber behandeln. Sie heben den 
exklusiven Charakter der Singekunst und ihre Schwierigkeiten 
hervor') oder greisen mißliebige Sänger an2); gelegentlich wendet 
sich wohl auch ein einzelner gegen die Gesamtheit seiner Kunst- 
genossen"). Bm reichhaltigsten ist aber auch unter diesen Liedern 
die religiöse Lyrik vertreten: da haben wir logisch-metaphysische 
Spekulationen^), theologische Deutung von Erscheinungen der Tier¬ 
welt), selbst Bllegorien aus dem landwirtschaftlichen Leben"). Die 
Marienliedet) versteigen sich zum Teil zu geschichtsphilosophi¬ 
schen Konstruktionen, und an erotischen Zutaten fehlt es auch 
hier nicht). Bemerkenswert ist eine Paraphrase des Vaterunsers 
vom hülzing wegen der Forderung, der Laie solle es in deutscher 
Sprache beten, gleichviel ob die Priester die lateinische beibehielten'). 
Eine Bnzahl von Liedern, die an Bibelstellen anknüpfen, 
sind verifizierte predigten, etwa über die zehn Gebote"), den 
Bblaß") oder das Bbendmahl"), und haben die Kirchenlehre durch 
y Bartsch, Kolm. Hs. Nr. 47. 92. Ferner Bartsch, (Ein Baseler Meister-, 
gesangbuch, Beitr. z. (Quellenkunde d. altd. Lit., Straßburg 1886, S. 289 f., 
295 ff. 
2) Bartsch, Kolm. Hs. Nr. 168. 
s) Docen, Krit. Beschreib, e. Smlg. alter Mstrgsge., Beitr. z. Gesch. u. 
Lit., Hrsg. v. Frh.v.Nretin, 9.Bd., München 1807, S. 1147. Linen Einblick in 
das Leben der Sänger aus der Zeche gestattet das Lied b. Goedeke-Titt- 
m ann, Liederbuch S. 383 ff., Hi. 11. 
y So bei Jörg Breitling, wackernagel, a. a. G. Nr. 1045 s. 
5) Bartsch, Kolm. Hs. Nr. 34. 
6) heidelb. Hs. BI. 144 s. 
7) Ebenda BI. 152' —154'. 150- 159'; vgl. auch 157' —159; ferner 
156-157'. 
8) wackernagel Nr. 1305. 1307. 
9) Ebenda Nr. 536; Bartsch Nr. 195. 
10) wacker na g e I Nr. 1054; Heidelb. Hs. Bl. 92-94. 
*) Wacker nagel Nr. 1303. 
") a. a. (V. Nr. 427.
	        

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