Full text : Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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iiner  Tageblatt'  zuerst  Nachrichten  über  die  Marping^r  Vorgänge
überhaupt  gesunden  habe,  dag  ich  mich.nachdem  erst  um  nähere  Aufklärung
  au  Herrn  Pastor  Neureuter  gewendet  habe.  Dabei  darf  ich
aber  nicht  verschweigen,  das;  das  .Berliner  Tageblatt'  später  verschiedene
Artikel  veröffentlicht  hat,  in  deren  einem  ich  auffälliger  Weise  genau  dieselbe
  Deutung  der  Marp.  Erscheinung  gefunden  habe,  wie  sie  sich  in
den  Angaben  der  Margaretha  Kunz  zu  erkennen  gibt,  nachdem  dieses
Kind  mit  dem  Polizei-Kommissar  v.  M  e  e  r  s  ch  e  i  d  t  -  H  n  l  l  e  s  s  e  m  in
Be  rühr  ring  gekommen  war.  Aus  den  Verhandlungen  Hierselbst
'hat  sich  aber  ergeben,  dag  Herr  v.  Hüllessem  zu  dielen  Artikeln  des
.Berliner  Tageblattes'  in  sehr  naher  Beziehung  gestanden  hat.
Präs.:  „Das  interessirt  uns  hier  nicht."
Zeuge:  „Ich  muß  darauf  aufmerksam  machen,  Herr  Präsident,
daß  ich  als  Zeuge  verpflichtet  bin,  Alles  zu  sagen,  was  mir  über
die  zu  verhandelnde  Angelegenheit  bekannt  ist.  Ein  Zeuge  ist  zudem
teine  bloße  Maschine;  er  hat  einen  Willen,  er  hat  seine  eigene  Ueberzeugung,
  und  meine  innere  Ueberzeugung  drängt  mich,  Männer  in  Schlitz
zu  nehiuen,  die  ich  hochverehre,  die  rch  aber  gleich  gemeinen  Verbrechern
  arrf  der  Anklagebank  sitzen  sehe."
Verih.  Bachem:  „Der  Zeuge  hat  soeben  eine  Aussage  von  höchster
Tragweite  gemacht,  er  hat  konstatirt,  daß  in  dem  Artikel  des  .Berliner
Tageblattes',  dessen  Verfasser  notorisch  mit  dem  Polizei-Kommissar  v.
Hüllessem  in  Beziehung  gestanden  hat,  Angaben  enthalten  seien,  welche
den  Deutungen  entsprechen,  die  die  Marg.  Kun;  nach  ihrer  Zusammenkunft
  mit  dem  Polizei-Kom.  v.  Hüllessem  gegeben  hat."
Präs.:  „Der  Artikel  des  .Berliner  T.-Bl.'  wird  beachtet  werden.
Ich  frage  noch  den  Zeugen,  ob  er  geglaubt  hat,  im  Sinne  des  Pastors
Schneider  zu  handeln,  als  er  dessen  Namen  unter  den  von  ihm  herrührenden
  Artikel  setzte."
Zeuge:  „Ich  erinnere.mich,  daß  ich  damals  allerdings  nicht  genau
  im  Sinne  des  Herrn  Einsenders  gehandelt  habe.  Ich  weiß,  daß
ich  mich  damit  einer  gewissen  Rücksichtslosigkeit  schuldig  gemacht  habe,
einer  Rücksichtslosigkeit,  der  sich  indessen  unter  gew'ffen  Umständen  kein
Redakteur  entschlagen  kann."
Berth.  Simons:  „Ich  bitte,  den  Zeuo-m  zrr  fragen,  wie  er  über
den  Dr.  T  h  ö  m  e  s  urtheilt."
Präs,  gestattet  dies  erst  nach  einer  längeren  Auseinandersetzung
mit  dem  Vertheidiger.  7
            
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