86
Majunke: „Die Form, auch der Ausdruck „„Eremitage"" rührt
von mir her; in der Sache selbst hatte mich Pastor Neur. ersucht, die
Erklärung in der ,Gering abzugeben".
Präs.: „Vor zwei Jahren haben Sie vor dem Untersuchungsrichter
gesagt: Pastor Neur. habe den Ausdruck „„Eremitage"" bei ihrer Anwesenheit
in Marp. mündlich gebraucht".
Zeuge: „Das halte ich auch jetzt für richtig. Ich behaupte nur,
daß ich bei Abfassung der Notiz im Briefkasten kein Manuskript von
Hrn. Neur. hatte, während der Ausdruck „„Eremitage"" mir sehr sympathisch
war. Im Uebrigen bitte ich, zu beachten, daß ich zur Zeit des
sog. „„Kulturkampfes"" täglich an 120 bis 150 Briefe empfangen habe,
außerdem täglich an 30 bis 40 Zeitungen zu durchfliegen hatte, dabei
selbst viele Artikel schreiben und außerdem noch viele Besuche empfangen
mußte. Ich kann mich also heute unniöglich an das erinnern, was ich
damals ausgesagt habe; indeß halte ich meine damalige Erklärung als
die zutreffende aufrecht."
Präs.: „Sie haben auch einen Brief des Pastor Schneider aus
Alsweiler veröffentlicht. Wollen Sie nun angeben, in welchem Verhältnisse
Sie zu dieser Publikation stehen?"
Zeuge: „Darf ich bei dieser Gelegenheit meinen subjektiven Standpunkt
gegenüber dieser ganzen Angelegenheit kurz darlegen?"
Präs.: „Nein."
Zeuge: „Aber gestern haben Sie doch einen Zeugen seine subjektive
Ansicht über Marp. vortragen lassen, obschon dieser Zeuge mit
dem Beschuldigten Dr- Thömes sich früher verfeindet hatte".
Präs.: „Das habe ich gethan, weil es ein katholischer Beamter
war, der erklärte, daß er mit einer gewissen Vorliebe die Sache untersucht
habe."
Zeuge: „Auch was ich Ihnen sage, dürfte für Ihre Entscheidung
von Werth sein, da ich ebenfalls in Marp. Untersuchungen angestellt
habe und zwar zu einer Zeit, als die Parteien noch nicht so einander
gegenüberstanden wie jetzt."
Prüf.: „Ich bedauere, Sie nicht in dieser allgemeinen Weise sich
aussprechen lassen zu können."
Zeuge: „Es kommen hier doch aber die wichtigsten theologischen
Fragen in Betracht. Kein einziger Sachverständiger ist in dieser Beziehung
herbeigezogen worden. Im Publikum spricht man davon, wie
der Blinde von der Farbe."