Full text : Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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Majunke:  „Die  Form,  auch  der  Ausdruck  „„Eremitage""  rührt
von  mir  her;  in  der  Sache  selbst  hatte  mich  Pastor  Neur.  ersucht,  die
Erklärung  in  der  ,Gering  abzugeben".
Präs.:  „Vor  zwei  Jahren  haben  Sie  vor  dem  Untersuchungsrichter
gesagt:  Pastor  Neur.  habe  den  Ausdruck  „„Eremitage""  bei  ihrer  Anwesenheit
  in  Marp.  mündlich  gebraucht".
Zeuge:  „Das  halte  ich  auch  jetzt  für  richtig.  Ich  behaupte  nur,
daß  ich  bei  Abfassung  der  Notiz  im  Briefkasten  kein  Manuskript  von
Hrn.  Neur.  hatte,  während  der  Ausdruck  „„Eremitage""  mir  sehr  sympathisch
  war.  Im  Uebrigen  bitte  ich,  zu  beachten,  daß  ich  zur  Zeit  des
sog.  „„Kulturkampfes""  täglich  an  120  bis  150  Briefe  empfangen  habe,
außerdem  täglich  an  30  bis  40  Zeitungen  zu  durchfliegen  hatte,  dabei
selbst  viele  Artikel  schreiben  und  außerdem  noch  viele  Besuche  empfangen
mußte.  Ich  kann  mich  also  heute  unniöglich  an  das  erinnern,  was  ich
damals  ausgesagt  habe;  indeß  halte  ich  meine  damalige  Erklärung  als
die  zutreffende  aufrecht."
Präs.:  „Sie  haben  auch  einen  Brief  des  Pastor  Schneider  aus
Alsweiler  veröffentlicht.  Wollen  Sie  nun  angeben,  in  welchem  Verhältnisse
  Sie  zu  dieser  Publikation  stehen?"
Zeuge:  „Darf  ich  bei  dieser  Gelegenheit  meinen  subjektiven  Standpunkt
  gegenüber  dieser  ganzen  Angelegenheit  kurz  darlegen?"
Präs.:  „Nein."
Zeuge:  „Aber  gestern  haben  Sie  doch  einen  Zeugen  seine  subjektive
  Ansicht  über  Marp.  vortragen  lassen,  obschon  dieser  Zeuge  mit
dem  Beschuldigten  Dr-  Thömes  sich  früher  verfeindet  hatte".
Präs.:  „Das  habe  ich  gethan,  weil  es  ein  katholischer  Beamter
war,  der  erklärte,  daß  er  mit  einer  gewissen  Vorliebe  die  Sache  untersucht
  habe."
Zeuge:  „Auch  was  ich  Ihnen  sage,  dürfte  für  Ihre  Entscheidung
von  Werth  sein,  da  ich  ebenfalls  in  Marp.  Untersuchungen  angestellt
habe  und  zwar  zu  einer  Zeit,  als  die  Parteien  noch  nicht  so  einander
gegenüberstanden  wie  jetzt."
Prüf.:  „Ich  bedauere,  Sie  nicht  in  dieser  allgemeinen  Weise  sich
aussprechen  lassen  zu  können."
Zeuge:  „Es  kommen  hier  doch  aber  die  wichtigsten  theologischen
Fragen  in  Betracht.  Kein  einziger  Sachverständiger  ist  in  dieser  Beziehung
  herbeigezogen  worden.  Im  Publikum  spricht  man  davon,  wie
der  Blinde  von  der  Farbe."
            
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