Full text : Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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diese  Frage  überflüssig  sei.  Bei  einer  weiteren  Frage  des  Thömes
schneidet  ihm  das  Richterkollegium  das  Wort  ab.
Der  Herr  Präs.  hält  dem  Beschuldigten  Neur.  vor.  daß  er  trotz
der  Erzählung,  welche  ihm  Referendar  Strauß  in  Schissweiler  gemacht,
geglaubt  habe,  daß  die  Kunz  ein  wahrheitliebendes  Kind  sei.  Neur.
entgegnet:  „Ich  glaubte  nicht,  daß  Strauß  in  amtlicher  Beziehung
  zu  dem  Kinde  gestanden  Ferner  sagte  mir  Pastor  Rath,  das
Kind  habe  ihm  versichert:  „Ich  habe  a  l  l  e  rd  i  n  g  s  e  i  n?  U  n  wa  h  rheit
  gesagt,  aber  nur  um  loszukommen."  Endlich  sagte  ich
zu  Dr.  Strauß:  Auch  wenn  das  Kind  Ihnen  gegenüber  gelogen  hat,  dann
glaube  ich  doch  an  die  Wah  heit  der  Erscheinung;  denn  die  4  Männer
behaupten,  sie  hätten  die  Erscheinung  gesehen,  und  sie  sind  für  diese  ihre
Aussage  in's  Gefängniß  gegangen;  für  eine  Lüge  geht  man
nicht  in's  Gefängniß.
Der  Präs.  betont,  das  Kind  habe  unter  Anrufung  Gattes  gelogen.
Strauß  sagt  noch,  daß  er  am  2  Nov.  1876  beim  hiesigen  Landgericht
  erst  eingetreten  sei  und  v.  Hüllessem  damals  nicht  gesehen
habe;  er  gibt  noch  zn  den  Akten  einen  Brief  der  Kunz  an  Hüllessein,
welchen  sie  nach  der  mit  Strauß  gemachten  Reise  geschrieben  hat.
Betreffs  der  heute  Morgen  erwähnten  Geschichte  mit  der  Kartenschlägerin
  berichtet  der  Präs.,  daß  die  darüber  verhörten  Zeugen  die
Vermuthung  ausgesprochen,  die  Kartenschlägerin  sei  eine  übel  beleumundete
  Frau  aus  Dudweiler  oder  aus  Ottweiler;  er  glaubt,  daß  das
Zeugniß  derselben  nicht  viel  Glauben  verdienen  werde.
Die  Vertheidiger  bedauern  es,  wenn  eine  gründliche  Aufklärung
  dieses  Zwischenfalles  nicht  möglich  ist;  indessen  haben  sie  nicht  ein
sehr  großes  Interesse  an  der  Sache,  und  damit  ist  dieselbe  erledigt.
Zeugin  Gräfin  Spee,  geborene  Galen.  Es  werden  vier  Briefe
von  ihr  an  Neureuter  und  Dicke  verlesen;  Kaplan  Dicke  hat  ihr  Marp.
Wasser  besorgt;  ob  aus  Auftrag  des  Pastor  Neur.,  weiß  sie  nicht;  ihrer
Bitte  an  den  Pastor  Neur.,  eine  heil.  Messe  zu  lesen,  fügte  sie  Geld  bei.
Dieses  Geld  ist  ihr  nicht  wiedergesandt  worden.  Die  kranke  Tochter,  für
welche  das  Marp.  Wasser  bestimmt  war,  erlangte  nicht  eine  wunderbare
Heilung,  sondern  starb.  Zum  Schlüsse  wird  die  Zeugin  gefragt,  ob  der
Pastor  Neur.,  welchen  sie  in  Marp.  persönlich  gesproßten,  auf  sie  den
Eindruck»  gemacht  habe  eines  Mannes,  welcher  an  die  Wirklichkeit  der
Erscheinungen  glaube.  Sie  bejaht  diese  Frage  und  fügt  hinzu,  daß  auch
sie  daran  glaube.
            
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