Full text : Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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Brust.  Die  ganze  Gestalt  war  einem  Madonnenbilde  ähnlich.  Erschreckt
lief  ich  nach  Hause  und  erzählte  es  meinen  Eltern,  die  mir  nicht  glauben
  wollten.  Als  ich  einmal  vor  die  Thür  trat,  kam  ein  Mädchen  und
fragte  mich,  ob  wir  etwas  gesehen  hätten  :  andern  Tages  sollten  wir
wieder  in  den  Wald  gehen  und  sagen,  wir  hätten  etwas  gesehen,  uns
die  Erscheinung  hätte  gesagt,  es  solle  eine  Kapelle  gebaut  und  gebetet
werden;  wir  brauchten  das  nicht  umsonst  zu  thun.  Auf  die  Frage,  was
wir  bekämen,  sagte  es:  Ja,  Ihr  kriegt  etwas.  —  Das  Mädchen  wohnt
am  Eulenwalde  in  Marpingen;  es  trug  eine  Jacke.""  So  sagte  Kunz
zu  mir.  Ich  (Zeuge)  fragte  nun  die  Margaretha  Kunz  nochmals  unter
den  heftigsten  Worten,  ob  das  wahr  sei,  und  sie  erwiderte:  „„So
wahr  ist  das,  was  ich  Ihnen  gesagt,  daß,  wenn  der  liebe  Herrgott
s.lber  vor  mir  stände,  ich  so  sagen  würde.""  Tie  Kunz  erzählte  dann
weiter:  „„Ich  ging  zum  zweiten  Male  in  den  Wald,  stellte  Fragen,  erhielt
  aber  keine  Antwort,  erzählte  aber  ganz  so,  wie  mir  das  Mädchen
gesagt  hatte.  Am  dritten  Tage  bin  ich  wieder  hingegangen,  am  4.  noch
einmal,  und  ani  5.  Tage  kamen  die  Soldaten,  und  da  habe  ich  nichts
mehr  gesehen.""  —  Ich  (Zeuge)  fragte  nun  das  Kind  nochinals:  „„Ist
das  die  reine  Wahrheit?  Kann  ich  davon  Gebrauch  machen,  wenn  ich
in  der  Lage  bin,  mich  äußern  zu  müssen?""  Da  sagte  Kunz  ungefähr
wörtlich:  „„Sagen  Sie  es  nur  nicht  meiner  Mutter  und  dem  Pastor
Neureuter,  die  werden  böse.""  Am  andern  Tage  fuhr  ich  mit  ihr  nach
Marpingen.  Als  ivic  in  Urexweiler  am  Hause  des  Pastors  vorbeifuhren,
  da  (das  ist  für  später  iehr  wichtig)  sagte  ich:  „Sieh',  da  habe
ich  bereits  mehrere  Monate  gewohnt;  da  wohnte  der  Gpmnasialdirektor
Schue  bei  seinem  Sohne,  dein  Pastor,  welcher  mir  den  ersten  lateinischen
Unterricht  ertheilte."  —  Der  Zeug«  berichtet  nun,  wie  sie,  er  mit
der  Margaretha  in  Marpingen  angekommen,  wie  das  Kind  von  seiner
Mutter  und  seinen  Verwandten  begrüßt  worden  sei,  und  gesteht,  daß
wohl  bei  dieser  Gelegenheit  ein  heimliches  Wort  zu  dein  Kiilde  habe
geredet  werden  können.
Der  Hr.  Präs.  bemerkt,  ein  erfahrener  Untersuchungsrichter  würde
das  vermieden  haben.
Dann  berichtete  der  Zeuge  der  Mutter,  daß  sie  von  ihrer
Tochter  getäuscht  morden  sei.  Den  Eindruck  dieser  Mittheilung
schildert  der  Zeuge  wie  folgt:  Die  Mutter  gerieth  nach  dieser  Eröffnung
in  ein  konvulsivisches  Zucken,  schlug  sich  an  die  Stirn  und  sagte:  „„Wenn
            
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