Full text: Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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Walter: „Ja." 
Verth. Simons: Ob Zeugin mit der Frau Kunz allein ge¬ 
wesen, als diese ihr den Auftrag für ihre Tochter gegeben habe? 
Walter: „Ja. Es waren mehrere Leute bei ihr, welche 4 Schritte 
voraus gingen." 
Prüf.: „Konnten die anderen Leute hören, was Frau Kunz ge¬ 
sagt ?" 
Walter: „Sie hat's leise gesprochen." 
Präs. macht die Zeugin darauf aufinerksam, die reine Wahrheit zu 
sagen; sie habe zwar keinen Eid geleistet, aber vor Gott mache dieses 
kaum einen nennenswerthen Unterschied, ob sie eidlich oder ohne Eid die 
Unwahrheit gesagt. 
Walter: „Ja, ich habe jetzt die Wahrheit ge'agt." 
Frau Riemer bezeugt, daß Walter ein ordentliches Kind sei. 
Helena Schmitt, 20 I. alt, war früher Zögling im Marianen- 
Institut, jetzt in Arnual: „Tie Marg. Kunz war vom 9. Nov. bis 12. Dez. 
jm Marianeninstitut. Sie schlief in derselben Stube mit mir, die beiden 
andern in der Stube, wo Frau Riemer schlief; ich habe im vertraulichen 
Umgänge mit der Kunz gestanden. Ich habe Anfangs mit der Kunz 
über die Muttcrgottes-Erjcheinungen nicht gesprochen, weil die Frau 
Riemer gesagt, das möchte ich nicht thun." 
Präs.: „Wann haben Sie das erste Gespräch über die Erschei¬ 
nungen gehabt?" 
Schmitt: „Wie der Hr. Baron abgereist war, hat die Grethchen 
(Kunz) sehr nach ihm verlangt; sie hat ihm die ganze Wahrheit sagen 
und ihm dann schreiben wollen; da habe ich ihr Tinte und Feder ge¬ 
bracht, und da wollte sie „Lieber Hr. Baron" schreiben. Da sagte 
ich ihr, du mußt „Hochgeehrter Herr Baron!" schreiben, und da 
hat sie dies gethan." 
Präs.: „Haben Sie den. Brief gesehen!" 
Schmitt: „Ja, ich habe ihn gesehen." 
Präs. läßt den Brief vorlesen, zuerst kommt „Lieber Herr Ba>.on!" 
das ist durchgestrichen, dann kommt „Hochgeehrter Herr Baron!" Sie 
schreibt dann ungefähr Folgendes: „Sie wolle ihm einen Brief schreiben, 
sie habe schon so lauge aus ihn gewartet, sic habe was auf dem Herzen 
gehabt, sie habe es aber Niemanden sagen wollen als ihm, es sei ihr 
schwer geworden, es bei sich zu behalten und habe es dein Hrn. Niemer 
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