Full text : Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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Präs.:  „Das  war  am  3.  Dez.  1876.  Hat  Kunz  Ihnen  auch  gesagt,
  wie  sie  denn  zu  solchen  Erfindungen  gekominen  sei  ?"
Zeugin:  „Gewiß,  sie  hat  erzählt,  auf  einer  Kirmes  habe  ihr  ein
Knabe  ein  Buch  gezeigt,  in  welchem  stand,  daß  andere  Leute  solche
Erscheinungen  gehabt  hatten,  und  da  habe  sie  (die  Kunz)  zu  sich
selber  gesagt:  „„Warte,  Du  sagst  aber  auch  einmal  so!""
Präs.:  „Helene  Schmitt  soll  gesagt  haben,  die  Kunz  habe  ihr
mitgetheilt,  ihre  Matter  wisse  wohl,  warum  sie  das  thue."
Zeugin:  „Ich  habe  es  von  der  Schmitt  gehört."
Präs.:  „Was  wissen  Sie  von  den  Briefen,  welche  die  Kunz  an
den  Pastor  Neur.  und  an  ihre  Mutter  geschri  eben  hat?"
Zeugin:  „Am  Tage  vorher  waren  der  Untersuchungsrichter  und
der  Kammerpräsident  Schorn  gerufen  worden,  weil  sie  sagte,  sie  sei  bereit,
  die  Wahrheit  zu  sagen.  Wie  mein  Mann,  der  zugegen  gewesen
war,  mir  erzählte,  sagte  sie  zu  diesen  Herren,  sie  habe  Nichts  gesehen.
  Nachdem  sie  den  Brief  an  den  Pastor  Neureuter  fertig  hatte,
sagte  ich  ihr,  sie  solle  ihn  mir  einmal  vorlesen.  Sie  that  das  nur  ungern
  und  las:  „„Lieber  Hr.  Pastor,  ich  will  Ihnen  jetzt  die  Wahrheit
sagen.  Ich  habe  Nichts  gesehen  und  auch  den  anderen  Kindern  Alles
gesagt.""  Ich  verlangte  nun  den  Brief  und  fand,  daß  darin  stand:
„Ich  habe  Alles  gesehen."  Ich  sagte:  „Du  hast  ja  gelogen!"  —  und
sie  erwiderte:  „„Ich  schreibe  rasch  und  spreche  rasch,  lind  dann  verschreibe
ich  mich  und  dann  verspreche  ich  mich.""
Präs,  inquirirt  noch  weiter  über  den  Hergang  der  Sache,  resp.,
wie  er  einmal  sagt,  über  „die  Lügen  des  Kindes."  In  Bezug  auf  diesen
  Ausdruck  bemerkt
Verlheid.  Bachem:  „Herr  Präsident,  es  liegt  mir  daran,  im  Jntereffe
  der  Vertheidigung  mit  Bezug  auf  die  eben  verhandelte  Brieiaffaire
zu  konstatiren  —  in  einem  Satze  und  ohne  jede  andere  Erörterung  —
daß  sich  dieser  Vorfall  mit  dem  Briefe  psychologisch  anders  erklären
  läßt,  als  ihn  der  Herr  Präsident  bereits  beurtheilt
hat.  Das  Weitere  wird  ja  Sache  der  späteren  Ausführung  sein."
Präs.:  „Wir  wollen  Notiz  davon  nehmen;  es  wird  sich  ja  finden,,
welche  Gründe  die  stärksten  sind."
Zeugin  erklärt  sodann  weiter,  als  die  Kunz  eines  Tages  behauptet
habe,  die  Mutter  Gottes  wieder  gesehen  zu  haben,  hätten  die  anderen  2  Kinder
dazu  den  Kopf  geschüttelt,  and  zwar  die  Lei  st  in  bejonders  spöttischer  Weisen
            
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