Full text : Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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Präs.:  „Bri  dieser  Gelegenheit  frage  ich  Sie:  „Was  ist  die  Lina
Schmitt  für  ein  Kind?  Welchen  Charakter  hat  sie?"
Zeugin:  „Sie  ist  etwas  heftig."
Präs.:  „Sie  kann  aber  trotzdem  wahiheitsliebend  fein;  verdient
das  Kind  Glauben?"
Zeugin;  „O  ja,  besonders  in  dieser  Sache."  Zeugin  erklärt,  sie
habe  ihr  diese  Sache  besonders  an's  Herz  gelegt  imb  besonders  empfohlen,
  strenge  bei  der  Wahrheit  zu  bleiben.
Präs.:  „Das  war  brav,  das  war  gut.  Hat  Kunz  Ihnen  später,
als  Sie  ihr  den  Vorwurf  machten:  „Du  bist  ein  schlechtes  Mädchen"  —
hat  sie  Ihnen  da  nicht  genaue  Mittheilung  gemacht  über  die  Person,
die  sie  veranlaßt  haben  soll,  zu  lügen?"
Zeugin:  „Ja,  sie  hat  mir  gesagt:  „„Es  ist  ein  Mädchen,  das  9
oder  10  Häuser  von  uns  wohnt;  verstehen  Sie  mich  recht,  nicht  19,
sondern  9  oder  10.""
Präs.:  „So,  es  ist  die  als  Zeugin  geladene  Anna  Blies.  Erzählen
  Sie  uns  nun,  was  vorgekommen  ist  in  der  Unterhaltung,  die  Sie
mit  der  Kunz  halten,  ehe  Sie  nach  Metz  abreisten.  Es  ist  festgestellt,
daß  die  Reise  des  Dr.  Strauß  am  29.  Novbr.  1876  stattfand,  und  nun
Sonntags  nachher  sind  Sie  nach  Metz  gegangen?"
Zeugin:  „Ich  glaube.  Wir  hatten  einen  Kiaben  im  Hause,  der
wegen  einer  strafbaren  Handlung  in  eineBesserungsanstalt  kommen  sollte.
Ich  halte  einem  Mädchen  meine  Reisetasche  zum  Flicken  gegeben.  Die  Kunz
erfuhr  davon  und  fragte,  wohin  ich  reise;  da  sagte  ihr  das  Kind  :  „„Jedenfalls
  nach  der  Besserungsanstalt.""  Darauf  schickte  Kunz  2mal  zu  mir  hin
und  ließ  fragen,  wohin  ich  reise;  ich  ließ  erwidern,  das  gehe  sie  gar
nichts  an.  Da  sagte  sie  zu  den  Kindern:  „„Sie  will  mich  gew  iß
in  eine  Besserungsanstalt  bringen.""  Nachher  kam  sie  selbst
zu  mir  in  die  Stube  uud  fragt':  „„Frau  Riemer,  sagen  Sie  mir,  wohin
  Sie  reisen"".  Als  ich  mich  weigerte,  sagte  sie:  „„Ich  sage  Ihnen
jetzt  die  Wahrheit,  so  wahr  als  Gott  im  Himmel  ist.""
Präs.:  „Notiren  Sie,  Herr  Sekretär,  das  genau  im  Audienzprotokolle!"

Frau  Riemer  (fortfahrend):  „Also  Kunz  sagte,  sie  habe  gar
nichts  gesehen,  sondern  Alles  erlogen,  und  habe  auch  die
anderen  Kinder  veranlaßt,  zu  erzählen,  daß  sie  diese  Erscheinungrn  gesehen
  hätten."
            
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