Full text : Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

59

Skchtse  Sitzung.
Donnerstag  den  ti.  März,  von  9  bis  halb  2  Uhr.
Ehefrau  Riemer,  Gemahlin  des  Hausvaters  des  Marianen-Jnstituts
  zu  Saarbrücken,  tritt  vor.
Präs.:  „Die  3  Kinder  Kunz,  Leist  und  Hubertus  sind  auf  Grund
eines  Beschlusses  des  Vormundschaftsgerichtes  zu  St.-Wendel  eine  Zeit
laug  in  dem  von  Ihnen  geleiteten  Institut  untergebracht  morden,  und
zwar  vom  9.  November  bis  12.  Dezember  1876.  Wie  haben  Sie  die
Kinder  untergebracht?"
Die  Zeugin  erzählt,  die  Kunz  sei  mit  einer  Helena  Schmitt  zusammengebracht
  morden,  die  Leist  und  Hubertus  hätten  eine  andere  Stube
erhalten;  die  Kunz  war  nur  in  der  Nacht  von  den  beiden  anderen  getrennt,
  am  Tage  waren  sie  bei  einander  und  gingen  auch  zusammen  in
die  Schule.
Präs.:  „Wie  benahmen  sich  die  Kinder?"
Zeugin:  „Sie  sprachen  sehr  wenig  und  sprach  die  eine,  so  stieb  die
andere  sie  an  —  und  namentlich  die  Kunz  that  dies.  Diese  sagte  dann:
„„Wir  dürfen  nicht  sprechen.""  Einmal  sagte  aber  auch  die  Leist  bei
einer  Gelegenheit  zur  Kunz:  „„Weißt  Du  nicht,  daß  wir  nicht  sprechen
dürfen?""
Präs.:  „Es  schien  Ihnen  also,  daß  die  Kunz  ein  gewisses  Uebergemicht
  über  die  andern  habe?"
Zeugin:  „Ja,  die  Kunz  hat  bei  der  Gelegenheit  der  Leist  geantwortet
  :  „„Ich  weiß,  was  ich  zu  sprechen  habe,  und  was  ich  nicht  sprechen
darf.""
Präs.:  „In  welchem  Verhältnisse  standen  die  Kinder  zum  Herrn
v.  Hüllessem?"
Zeugin:  Ec  besuchte  sie  öfters  und  sprach  meistens  mit  der  Kunz;
er  war  sehr  herzlich  und'freundlich  gegen  die  Kinder;  ich  sagte  einmal
zu  der  Kunz:  „Der  Herr  Baron  ist  ja  so  artig  und  freundlich,
du  hast  ihn  gewiß  gern?"  Darauf  sagte  sie:  „Ich  den  gern?  der  ist  ja
Schuld  daran,  das;  die  ganze  Sauerei  da  ist.  Wäre  der  in  Berlin  geblieben,
  so  hätten  wir  das  nicht."  Als  Hüllessem  abreiste,  war  sie  traurig
und  ich  fragte  sie:  Was  fehlt  dir,  Kind?  Hattest  du  dem  Hrn.  Baron
noch  etwas  zu  sagen?"  Sie  sagte:  „Ja,  ich  habe  noch  etwas  vergessen,  ihm  zu
sagen."  Darauf  ich:  „Soll  ich  dann  den  Herrn  Untersuchungsrichter
5*
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.