Full text : Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

57

falls  der  Sache  erinnern  müsse.  Ferner  glaubt  der  Herr  Pr  äs.,
Widersprüche  zu  entdecken  in  den  Antworten  der  Eheleute  auf  die  Frage,
ob  sie  Geh-Versuche  mit  dem  Kinde  gemacht  hätten.  Der  Mann
sagt,  sie  seien  gemacht  worden,  aber  das  Kind  habe  nicht  gehen  können;
die  Frau  sagt:  „Ich  wollte  den  Versuch  machen,  aber  das  Kind  wollte
es  nicht  zulassen,  wegen  der  Schmerzen,  welche  ihm  durch  diese  Versuche
verursacht  wurden."  Auch  der  Zeuge  Gatzen  behauptet,  diese  beiden
Aussagen  seien  ihm  bei  früherer  Vernehmung  der  Eheleute  als  sich
widersprechend  erschienen.
Derselbe  Zeuge  findet  es  auch  sehr  verdächtig,  das;  die  Eheleute  ihm
nichts  davon  gesagt,  das;  das  Kind  einen  Buckel  bekommn;  und  erst  der
Arzt  denselben  crniittelt  habe.
Der  Vater  Dörr  sagt,  an  der  Quelle  hätten  sie  2V-  Sgr  hingelegt;
  die  Mutter  sagt,  sie  habe  einige  Pfennige  hingelegt.
Der  Präs.  kündigt  an,  er  werde  einen  Zeugen  vorführen,  rvelcher
aussage,  daß  sie  einen  Thaler  hingelegt  hätten.
Betreffs  des  Hauptpunktes  sagen  die  Eltern  ganz  übereinstimmend
  :  „Wir  haben  das  Kind  na  h  Marpingen  getragei;;  nachdem  es
aber  auf  der  Gnadenstelle  gewesen  war,  hat  das  Kind  sich  ganz  allein  hingestellt,
  die  Arme  ausgestreckt  und  gerufen:  „Hurrah,  die  Mutter
Gottes  hat  in  ich  gesund  gemacht!"  Die  Eltern  geben  zu,  daß
das  Kind  heute  eine  andere  Krankheit  —  wie  es  scheint,  die  Masern  —  hat.
Als  Sachverständiger  wird  vernommen  Dr.  Ab  rahm,  genannt
Adolf  Bähr,  prakt.  Arzt  in  Tholey.  Er  erklärt:  Ich  fand,  daß  die
Beine  abgemagert  waren;  der  Höcker,  den  ich  entdeckte,  ist  durch  Verkrümmung
  der  Wirbelsäule  entstanden;  in  den  meisten  Fällen  solcher
Krankheit  können  die  Kinder,  mit  den  Händen  auf  die  Kniee  gestützt,
gehen.  Die  Beine  wären  stark  genug  gewesen,  um  das  Kind  zu  tragen;
denn  die  Tragfähigkeit  der  W-rbelsäule  ist  nur  vermindert,  nicht  aber
aufgehoben.  Ter  Sachverständige  erklärt  dann  wörtlich:  „Wahrscheinlich
  hätte  das  Kind  gehen  können,  wenn  je  Versuche  mit  ihm
angestellt  worden  wären;  daß  das  Kind  in  Mp.  gehen  konnte,  kam
daher,  weil  dort  der  erste  Versuch  mit  ihm  gemacht  worden
  i  st;  in  Folge  der  geistigen  Aufregung  des  Kindes  sind  dieBeine
so  gestärkt  worden,  daß  sie  es  tragen  konnten."
Verth.  Simons:  „Das  Kind  hat  gerade  vom  März  bis  Oktober
1875  nicht  immer  im  Bette  gelegen,  wohl  aber  beständig  vom  Oktober
5
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.