Full text : Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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Präs.:  „Nun  gut;  das  Kind  aber  hat  eine  Gotteslästerung  ausgesprochen."

Bachem:  „Der  Zeuge  hat  gesagt,  Entfernungen  habe  das  Kind
nicht  angegeben."
Gatzen:  „Ich  habe  das.  Kind  gefragt,  wie  groß  die  Entfernung
  gewesen  sei,  um  zu  erfahren,  ob  vielleicht  die  kleine  Leist  neben
der  Mutter  gestanden  haben  soll  und  folglich  dem  Kinde  eine  Verweck)
  sel  ring  passire;  das  Kind  aber  hat  eine  Entfernung  nicht  angebe,:
können,  weil  es  ja  überhaupt  diese  Sache  erdichtet  hat:  denn  bei  Erdichten
  kann  man  ja  keine  Entfernung  angeben."  Auf  Befragen  erklärte
der  Zeuge  weiter,  daß  diese  Erscheinung  des  h.  Geistes  in  dem  Hause
des  Leist  stattgefunden  haben  solle.  —  Zeuge  legt  sehr  weitläufig  dar,
daß  viele  Leute  sehr  leichtgläubig  seien.  Er  hat  sich  feine  lleber
zeugung,  daß  die  Kinder  Alles  erdichtet  hätten,  aus  Grundfolgender
  Erwägungen  gebildet:  1)  Spielen  die  Kinder  gerne  mit  Farben,  damit
  stimmt,  daß  die  Kinder  behaupten,  die  Mutter  Gottes  habe  fast  bei  jeder
neuen  Erich  inung  Kleider  van  einer  anderen  Farbe  getragen;  2)  die
Worte:  „Dieser  ist  mein  geliebter  Sohn!"  stehen  in  der  Bibel;  3)  die  Mutter
Gottes  soll  die  Worte:  „Ich  bin  die  unbefleckt  Empfangene",  auch  in
Lourdes  gesprochen  haben;  4)  in  Lourdes  war  ja  gerade  a  n  3.  Juli  1876,
dem  Tage  der  Marp.  Erscheinung,  eine  besondere  Feier;  also  kaun  man
wohl  denken,  daß  dadurch  die  Idee  der  Erscheinungen  >n  Marpingen  angeregt
worden  sei;  5)  die  Kinder  haben  Manches,  was  solcher  übernatürlicher
  Erscheinungen  unwürdig  ist,  behauptet;  so  z.  B-,  daß  die  Mutter
Gottes  auf  dem  Boden,  ganz  ohne  Zweck  lauge  Zeit  gesessen  habe,  und
daß  der  Engel  Gabriel  ihr  das  ganze  „Ave  Maria"  vorgesagt  habe.
Aus  diesen  Gründen,  so  erk'ürt  der  Zeuge,  habe  er  die  feste
Ueberzeugung  sich  gebildet,  daß  die  Kinder  sich  Alleserdichtet
  hätten.
Daß  die  Kinder  keinen  Glauben  verdienten,  glaubte  der  Zeuge  mit
folgenden  Gründen  beweisen  zu  können:  1)  Die  Kinder  sagten,  sie  hätten
kein  Geld  angenommen,  nun  aber  hat  die  Eva  Schwindt  behauptet,  daß,
die  Kinder  dennoch  Geld  angenommen  hätten;  2)  nur  die  Leist  hat  gesagt,
  daß  sie  Kenntniß  von  Bildern  gehabt  hätte,  während  doch  die
Lehrerin  zugegeben  hat,  daß  alle  Kinder  diese  Kenntniß  gehabt  haben
müßten.
Die  Lehrerin  Andre  entgegnet,  daß  in  jener  Zeit  eben  erst  die
            
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