Full text : Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

36

Verth.  Bachem:  „Ich  möchte  mich  betn  anschließen."
Der  Zeuge  Remelo  gibt  hierauf  ein  Bild  der  verschiedenen  Verhöre,
  die  er  mit  den  Kindern  angestellt  habe,  und  bei  denen  immer  neue
Widersprüche  sich  ergeben  hätten.
Verth.  Simons:  „Ich  bitte,  den  Zetigen  zu  fragen,  welchen  Eindruck
  die  Kinder  auf  ihn  machten;  ob  er  ihnen  etwa  einen  verschmitzten,
verworfeneit  und  verlogenen  Charakter  zugetraut"
Zeuge:  „Eines  der  Kinder  schien  mir  geistig  weniger  entwickelt,
nämlich  die  Leist.  Die  2  anderen  dagegen  gaben  ihre  Antworten  außerordentlich
  klar  und  bestimmt,  sie  sahen  mich  unbefangen  an,  und  machten
auf  mich  gar  keinen  schlechten  Eindruck,  namentlich  auch  nicht
den  Eindruck  der  V  e  r  l  o  g  e  n  h  e  i  t  und  D  e  r  s  ch  m  i  tz  t  h  e  i  t;  sie
sahen  mich  so  an,  wie  Jeder,  der  ein  gutes  Gewissen  hat."
Präs.:  „Also  bleibt  nur  der  Widerspruch  in  den  Aussagen."
Zeuge:  „Ja."
Die  Vertheidigting  läßt  hieraus  durch  den  Zetigen  kottstatiren,  daß
Herr  Pastor  Neurettter  während  der  in  Marpingen  geführten  Untersuchung
  erschienen  sei  unb  seiner  Freude  darüber  Ausdruck  gegeben
habe,  daß  nunmehr  Klarheit  in  die  Sache  kommen  solle.  „Wenn  ich
meinen  Eindritck  wörtlich  wiederholen  soll,"  sagt  Zeuge,  „so  ist  es  der,
daß  Neureuter  aus  dem  Bewtlßtsein  des  guten  Gewissens  gesprochen
  hat."  —  Auf  die  Frage  des  Präsidenten,  ob  Neur.  das  nicht
im  Spott  gesagt  haben  könne,  antwortet  Zeuge  mit  einem  entschiedenen
  „N  ein!"
Emil  Kleber,  Landgerichts-Assessor  in  Köln:  „Ich  habe  die  Kinder
  mehrfach  verhört  und  konstalire,  daß  dabei  vielfach  Widersprüche  zu
Tage  getreten  sind;  schließlich  hat  das  eine  gesagt,  die  Kunz  habe
Alles  erfunden  und  es  den  anderen  mitgetheilt:  dies  haben  alle  zugestanden.
  Bei  einer  Vernehmung  im  Juli  1877  in  Tholey  bestritt
dagegen  die  Leist  im  Beisein  ihrer  Eltern  wieder  Alles;  ich  verlas  ihr
das  Protokoll  ihrer  Vernehmung  von  früher,  und  sie  sagte,  Alles,  was
da  geschrieben  sei,  sei  falsch,  sie  sehe  die  Mutter  Gottes  jetzt  wieder
täglich.  Auch  die  Kunz  und  Hubertus  nahmen  ihren  Widerruf  zurück.
Im  Febrttar  d.  I.  habe  ich  sie  wieder  verhört  und  dabei  die  Broschüre
  des  Vikars  Dicke  aus  Minden  mit  ihnen  durchgegangen,  wobei
sie  erklärtett,  daß  alle  daritt  angegebenen  Thatsachen  auf  Wahrheit
beruhten.  Beim  Widerruf  hattett  sie  aber  zugegeben,  sie  hätten
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.