Full text: Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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Ich war an der Gnadenstelle, als zwei Kinder geprüft wurden; dem 
Einen wurden die Augen zugehalten, und das Andere bezeichnete die 
Stelle, bis wohin die Mutier Gottes ihnen gefolgt sei; dann wurde bei 
d.m Anderen, dem die Augen zugehalten gewesen waren, die Hand wegge¬ 
nommen und dieselbe Frage gestellt; es bezeichnete dieselbe Stelle. Ich 
wurde in den Wald gerufen ; die Kinder führten meine Hand dorthin, wo der 
Fuß der Mutter Gottes stehen sollte; es war mir, als wenn eiskaltes 
Wasser von mir abflösse. Ich fühlte es in meinem Körper auf- und 
abwogen. Als ich die Hand wegzog, da fühlte ich keine Schmerzen mehr." 
Präs.: „Der Ortsvorsteher Schnur ist mit Ihnen hin- und zurück¬ 
gegangen, und Sie haben ihm nichts davon gesagt; also wird vielleicht 
geschlossen werden können, daß keine Heilung vorgekommen sei." 
R. : „Ich habe den Schnur nicht aus dem Rückwege gesehen." 
Zur Aufklärung wird sofort als Sachverständiger Dr. Cornelius 
vernommen. 
Cornelius: „Recktenw. hat an rheumatischer Ischias gelitten; 
sein Krankenzettel datirt vom 1. Sept. 1875. Es trat allmählich Heilung 
ein: im Mai 1876 sagte ich — wahrscheinlich nicht zu ihm, sondern 
zu seiner Frau, — es würde besser, wenn es gu'es Wetter gäbe, er 
möge dann ausgehen. Durch eigene Anschauung habe ich mich überzeugt, 
daß er auf der Besserung sei." 
Präs, ersucht den Arzt, sich zu äußern, wie denn die Behauptung 
des Reckt., geheilt zu sein, erklärt werden könne. 
Cornei.: „Es konnte eine Erregung stattfinden, in Folge deren er 
zu stärkeren Leistungen fähig ward." 
Präs.: „Kann durch seine Krankheit eine Schwächung seines Willen» 
erfolgt gewesen sein?" 
Cornel.: „Die Ischias hat mit dem Gehirn nichts zu thun." 
Thoemes wünscht, daß Dr. Cornelius gefragt werde, wie er denn 
die Furcht des Recktenw., daß er bald sterben müsse, sich erkläre. 
Präs.: „Allerdings ist ein Unterschied zwischen dem wissenschaft¬ 
lichen Urtheil des Arztes und der subjektiven Ueberzeugung des Kranken; 
also, Hr. Arzt, wie ist das zu erklären?" 
Cornei.: „Im Herbste 1875 konnte er den Tod befürchten, aber 
nicht im Frühjahr 1876." 
Thoemes wünscht, daß Dr. Cornelius gefragt werde, wann er 
den Kranken zum letzten Male in seiner Krankheit gesehen habe.
	        

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