Full text : Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

—  31  ---Ich

  war  an  der  Gnadenstelle,  als  zwei  Kinder  geprüft  wurden;  dem
Einen  wurden  die  Augen  zugehalten,  und  das  Andere  bezeichnete  die
Stelle,  bis  wohin  die  Mutier  Gottes  ihnen  gefolgt  sei;  dann  wurde  bei
d.m  Anderen,  dem  die  Augen  zugehalten  gewesen  waren,  die  Hand  weggenommen
  und  dieselbe  Frage  gestellt;  es  bezeichnete  dieselbe  Stelle.  Ich
wurde  in  den  Wald  gerufen  ;  die  Kinder  führten  meine  Hand  dorthin,  wo  der
Fuß  der  Mutter  Gottes  stehen  sollte;  es  war  mir,  als  wenn  eiskaltes
Wasser  von  mir  abflösse.  Ich  fühlte  es  in  meinem  Körper  auf-  und
abwogen.  Als  ich  die  Hand  wegzog,  da  fühlte  ich  keine  Schmerzen  mehr."
Präs.:  „Der  Ortsvorsteher  Schnur  ist  mit  Ihnen  hin-  und  zurückgegangen,
  und  Sie  haben  ihm  nichts  davon  gesagt;  also  wird  vielleicht
geschlossen  werden  können,  daß  keine  Heilung  vorgekommen  sei."
R.  :  „Ich  habe  den  Schnur  nicht  aus  dem  Rückwege  gesehen."
Zur  Aufklärung  wird  sofort  als  Sachverständiger  Dr.  Cornelius
vernommen.
Cornelius:  „Recktenw.  hat  an  rheumatischer  Ischias  gelitten;
sein  Krankenzettel  datirt  vom  1.  Sept.  1875.  Es  trat  allmählich  Heilung
ein:  im  Mai  1876  sagte  ich  —  wahrscheinlich  nicht  zu  ihm,  sondern
zu  seiner  Frau,  —  es  würde  besser,  wenn  es  gu'es  Wetter  gäbe,  er
möge  dann  ausgehen.  Durch  eigene  Anschauung  habe  ich  mich  überzeugt,
daß  er  auf  der  Besserung  sei."
Präs,  ersucht  den  Arzt,  sich  zu  äußern,  wie  denn  die  Behauptung
des  Reckt.,  geheilt  zu  sein,  erklärt  werden  könne.
Cornei.:  „Es  konnte  eine  Erregung  stattfinden,  in  Folge  deren  er
zu  stärkeren  Leistungen  fähig  ward."
Präs.:  „Kann  durch  seine  Krankheit  eine  Schwächung  seines  Willen»
erfolgt  gewesen  sein?"
Cornel.:  „Die  Ischias  hat  mit  dem  Gehirn  nichts  zu  thun."
Thoemes  wünscht,  daß  Dr.  Cornelius  gefragt  werde,  wie  er  denn
die  Furcht  des  Recktenw.,  daß  er  bald  sterben  müsse,  sich  erkläre.
Präs.:  „Allerdings  ist  ein  Unterschied  zwischen  dem  wissenschaftlichen
  Urtheil  des  Arztes  und  der  subjektiven  Ueberzeugung  des  Kranken;
also,  Hr.  Arzt,  wie  ist  das  zu  erklären?"
Cornei.:  „Im  Herbste  1875  konnte  er  den  Tod  befürchten,  aber
nicht  im  Frühjahr  1876."
Thoemes  wünscht,  daß  Dr.  Cornelius  gefragt  werde,  wann  er
den  Kranken  zum  letzten  Male  in  seiner  Krankheit  gesehen  habe.
            
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