Full text : Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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geltenden  Kinder  im  Juli  1876  bei  seiner  Geislesrichtung  nichts  Unglaubhaftes
  für  ihn  haben  mochten,  um  so  mehr,  als  bald  von  wunderbaren
  Heilungen,  die  indessen  einer  kritischen  Beurtheilung  gar  nicht
unterworfen  worden,  die  Rede  war;
das;  Anfangs  ein  Schwanken,  ein  Sichrathlosfühlen  bei  Neureuter
nicht  verkannt  werden  kann,  und  aus  diesem  Gefühle  am  12.  Juli  1876
die  Einladungen  an  Pastor  Eich,  später  auch  an  Domkapitular  de  Lorenzi
und  Prof.  Scheeben,  nach  Marpingen  zu  kommen  und  ihm  Rath  zu  ertheilen,
  hervorgingen;
daß  der  am  13.  Juli  1876  erfolgte  Anmarsch  von  Militär,  die  darauf
von  Verwaltungs-  und  demnächst  auch  von  der  Justizbehörde  eingeleiteten
  Untersuchung  n  sehr  wohl  des  Neureuter  Stimmung  und  Anschauungen
  in  der  nicht  beabsichtigten  Richtung  der  Bestärkung  seines  Glaubens
  beeinflussen  konnten;
das;  diese  Wirkung,  physiologisch  leicht  erklärbar,  insbesondere  dadurch
begünstigt  werden  mochte,  das;,  so  sehr  auch  jenes  Einschreiten  der  Behörden
  im  Allgemeinen  ein  wohlberechtigtes  und  angemessenes  war,  doch
gerade  im  ersten  Stadium  der  Maßnahmen  Ungeschicklichkeiten  Seitens
Einzelner  mit  untergelaufen  sind;
daß  namentlich  der  Kreissekretär  Besser  in  Vertretung  des  Landraths
  zu  St.  Wendel  unter  dem  15.  Juli  1876,  also  zur  Zeit,  wo  kaum
eine  Untersuchung  eingeleitet  war,  in  einer  amtlichen  Bekanntmachung  die
höchst  voreilige,  damals  durch  nichts  erwiesene  Behauptung  aufstellte  r
„Schon  die  Voruntersuchung  hat  ergeben,  daß  die  Anstifter  des  Wunders
nur  daraus  ausgingen,  die  leichtgläubige  Bevölkerung  zu  betrügen"  u.  s.  w.  ;
daß  dann  nach  einem  bald  darauf  in  der  Presse*)  erschienenen
Artikel  (ok.  vol.  1.  so!.  130)  in  Betreff  der  eingeleiteten  Untersuchung
  bemerkt  wurde:  „Bis  jetzt  (17.  Juli  1876)  hat  man
noch  keine  genügenden  Anhaltspunkte  zur  Ermittelung  der  Anstifter
  des  Wunders  gefunden",  und  in  welchem  geradezu  der  Verdacht
der  Anstiftung  auf  die  Geistlichen  der  Gegend  gelenkt  wurde;  daß
Neureuter.  der  nach  Lage  der  jetzigen  Verhandlungen  nicht  als  der  Anstifter
  der  Vorgänge  betrachtet  werden  kann,  in  seinem  Gefühle  der  Unschuld
  gegen  diesen  schweren  Vorwurf  und  bei  seiner  geschilderten  Kritiklosigkeit
  nun,  während  er  sein  Vertrauen  den  Kindern  zuwendete,  zu
leicht  zu  Mißtrauen  gegen  alles  hingerissen  werden  mußte,  was  die  von
ihm  für  möglich  gehaltenen  Wundererscheinungen  zu  bekämpfen  schien;
daß  der  Gedanke,  der  Kulturkampf  streite  gegen  die  Wunder,  welcher
sich  in  so  vielen  der  beschlagnahmten  Briefe  wiederfindet,  auch  seine
Wirkung  auf  Neureuter  nicht  verfehlen  mochte,  zumal  als  Leute  wie
Scheeben  und  Majunke,  die  dem  Neureuter  für  Mystik  und  den  Wunderglauben
  bedeutend  erschienen,  als  Redakteure  und  Mitarbeiter  an  politischen
  Journalen,  mithin  als  Kämpfer  in  dem  kirchenpolitischen  Streit,
ihm  bekannt  waren;

*)  in  der  .Kölnischen  Zeitung'  von  19.  Juli  1876,  1.  Blatt.
Anmerkung  des  Herausgebers.
            
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