Full text : Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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täuschung  besonders  unlerwoifenen  Frauenzimmern  oder  Kranken  mit
fehlender  Willenskraft  und  an  Kindern  des  zartesten  Alters,  welche  überhaupt
  über  ihren  Zustand  Auskunft  zu  ertheilen  nicht  im  Stande  sind,
beobachtet  worden  sein  sollen;
daß,  wenn  wirklich  einzelne  Kranke  nach  dem  Besuche  des  Härtelwaldes
  oder  nach  dem  Gebrauche  von  marpiuger  Wasser  eine  Linderung
des  Schmerzes  oder  Besserung  des  Zustandes  zu  verspüren  wähnten,,
dies  leicht  erklärlich  zu  finden  ist,  und  der  brieflichen  Aeußerung  des
Pfarrers  Spang  zu  Züsch  (adhib.  11  fol.  44):  „die  augenblickliche  Besserung,
  welche  bei  dem  Besuch  in  Marpingen  eintrat,  scheint  von  der
großen  körperlichen  und  geistigen  Aufregung  hergerührt  zu  haben,  und
trat  danach  eine  um  so  stärkere  Reaktion  ein,  welcher  der  Kranke  erlegen
ist"  —  für  diesen  wie  für  viele  andere  Fälle  nur  beizupflichten  ist;
daß  aber,  abgesehen  hiervon  in  einer  Reihe  von  Fällen,  wie  z.  B.
bezüglich  des  Bergmanns  Rektenwald,  der  Kinder  Kirsch,  Dörr,  Schug,
Schulz,  Bonn,  der  Pfeiffer  aus  Sohren,  der  Lattemer^  des  Schneiders
Schorn,  der  Tochter  und  Schwiegertochter  der  Gräfin  Lpee,  des  Hilgert
aus  Tholey  der  Ehefrau  Denzer,  der  drei  taubstummen  Geishecker  und
Anderer  theils  durch  gutachtliche  Aeußerungen  der  sachverständigen  Aerzte,
theils  durch  Zeugenaussagen  imb  sonstige  amtliche  Atteste  der  Nachweis
geliefert  ist,  daß  vui  einer  wunderbaren  Heilung  keine  Rede  sein  kann;
in  Erwägung,  daß  die  von  den  obenerwähnten  Kindern  ausgegangenen,
  bald  durch  die  Presse  und  Broschüren  in  die  weitesten  Kreise
hinausgetragenen  falschen  Vorspiegelungen  die  Folge  hatten,  daß  eine
Menge  von  Menschen,  nach  vielen  Tausenden  zählend,  in  ben  Irrthum
versetzt  wurden,  daß  es  sich  um  wirkliche  Wunder  handle;  daß  dadurch
die  Physiognomie  des  Ortes  Marpingen  sich  durchaus  änderte;  daß  bis
zum  3.  September  1877  täglich  lind  namentlich  Samstags  und  Sonntags
  viele  Tausende,  nach  Angabe  der  Zeugen  zuzueilen  7000,  dann
12000  und  selbst  bis  zu  20  000  Pilger  au  einem  Tage  dort  erschienen;
daß  sich  fast  jedes  Haus  und  jede  Hülle  in  ein  Wirthshaus  umwandelte,
  e  n  schwunghafter  Handel  mit  Madonnenbildern,  Rosenkränzen.
Skapulieren,  Vlechgcfäßen  zur  Ausnahme  von  marpinger  Wasser  sich
entwickelte,  daß  die  Opfergaben  für  die  Kirche  zu  Marpingen,  welche  itu
Jahre  1875  sich  nur  auf  29  Jl.  belaufen  hatten,  selbst  nach  Angabe  des
Kirchenrechners  Schario  pro  1876  —  1877  auf  mehr  denn  4000  ^  stiegen;
daß,  wie  der  Beschuldigte  Pastor  Neureuter  einräumte,  seit  beit
Erscheinungen  die  Meßstipendien  (sfcipendia  manualia)  reichlicher  flössen
und  auch  wohl  höhere  Beträge  für  die  Messen  bezahlt  wurden;  daß  nun
die  Pilger,  welche  oft  aus  entlegenen  Provinzen  und  selbst  überseeischen
Ländern  mit  großen  Geldopfern  herbei  reisten,  welche  in  dem  Glauben
an  das  wirkliche  Vorkommen  der  behaupteten  Wunder  Messen  bestellten,
Opfer  gaben,  marpinger  Wasser  kauften,  Vermögensbeschädigungen  erlitten,
deren  Causal-Zusam.nenhang  mit  dem  bei  ihnen  durch  falsche  Vorstellungen
  hervorgerufenen  Irrthum  nicht  zu  verkennen  ist;
in  Erwägung,  daß  daher  bezüglich  der  Kinder  Kunz,  Hubertus
            
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