Full text : Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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welche  er  in  Folge  der  ersten  Erscheinungen  in  seiner  Psarrgemeinde
wahrnahm:  das  religiöse  Leben  wurde  gehoben,  der  Empfang  derGnadenmittel
  der  Kirche  ein  häufigerer  —  in  den  Augen  des  Seelsorgers  jedenialls
  ein  Argument  für  die  Aechtheit  der  Erscheinungen.  Auch  die  erfolgten
  Heilungen  muhten  jedenfalls  in  gleicher  Richtung  auf  ihn  einwirken.
Das;  diese  Heilungen  wunderbare  im  theologisch-technischen  Sinne  waren,
will  ich  natürlich  meinerseits  nicht  behaupten;  der  positive  Ausspruch
darüber  steht  nur  der  Kirche  zu,  welche  dazu  die  medizinischen  und  die
theologischen  Wissenschaften  in  gleicher  Weise  heranzieht.  Hinsichtlich  der
während  der  Verhandlungen  gegebenen  Definition  einer  wunderbaren
Heilung  ist  übrigens  im  Allgemeinen  Folgendes  zu  bemerke,;:  Die
Plötzlichkeit  der  Heilungen  ist  nach  Benedikt  X.IV.  Regel  für  die
Beurtheilung  des  Wunders.  Die  Heilung  braucht  aber  darum  keine
mathematisch  plötzliche  zu  sein;  an  sich  genügt  es,  wenn  die
Heilung  so  rasch  erfolgt,  wie  sie  natürlicher  Weise  nicht  hätte  eriolgen
können.  Die  vorherige  ärztliche  Behnndlung  der  von  Christus
Geheilten  wird  in  der  Bibel  kaum  das  eine  oder  andere  Mal  erwähnt.
Wenn  Existenz  und  Natur  des  Uebels  notorisch,  ist  sie  jedenfalls  nicht
wesentlich  für  das  Urtheil  nothwendig,  wenigstens  nicht  für  das
Privaturcheil.  Was  die  hier  speziell  zur  Sprache  gebrachten  Heilungen
betrifft,  so  steht  so  viel  jedenfalls  fest,  das;  unter  denselben  eine  ganze
Reihe  waren,  welche  als  mindestens  sehr  auffallende  und  überraschende
—  wunderbare  nach  dem  gewöhnlichen  Sprachgebrauche  sich  darstellten,
und  welche  durch  die  Aeußerungen  der  hier  vernommenen  Aerzte  selbst
ex  post  dieses  Charakters  in  keiner  Weise  entkleidet  worden  sind.
Wiederholt  ist  im  Laufe  der  Verhandlung  eine  Unterscheidung  gemacht
  worden  zwischen  den  ersten  Erscheinungen  der  Mutter  Gottes  im
Härtelwalde  und  den  späteren  Erscheinungen  in  der  Kirche  und  in  der
Schule,  sowie  den  Teufels-Erscheinungen.  Bezüglich  der  letzterwähnten
beiden  Kategorieen  hat  Pastor  Neureuter  auch  seine  Bedenken  gehabt
und  insbesondere  der  Ansicht  des  Pfarrers  von  Neuforweiler  beigepflichtet
oder  wenigstens  die  Ansicht  gelten  lassen,  das;  „Dämonisches  mit  unterlaufe".
  Mehr  und  mehr  befestigte  sich  seine  Ueberzeugung  von  dem
göttlichen  Charakter  der  ursprünglichen  Marien-Erscheinungen,  und  dieser
persönlichen  Ueberzeugung  hat  er  Jedem  gegenüber,  mit  dem  er  in  Berührung
  kam,  Ausdruck  gegeben.  Wir  haben  darüber  eine  Reihe  von
Zeugen  gehört.  In  besonders  lebendiger  Weise  erhielt  und  schilderte
            
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