Full text : Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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Eine  solche  Erklärung  konnte  und  durste  aber  der  Pfarrer  nicht  abgeben,
wenn  er  nicht  seiner  Kirche  und  seiner  Gemeinde  gegenüber  in  eine
schiefe  Stellung  gerathen  wollte.  Das;  er  die  Möglichkeit  übernalürlicher
Erscheinungen  überhaupt  festhalten  mußte,  braucht  nicht  mehr  näher
ausgeführt  zu  werden:  es  mußten  aber  auch  die  gewichtigsten  Piamente
den  Pfarrer  abhalten,  gegen  die  Erscheinungen  sich  zu  erklären.  Die
Mittheilung  war  ihm  von  drei  Kindern  geworden,  die  er  nur  als
wahrheitsliebend  kannte;  die  Kinder  blieben  trotz  der  ernstesten  Borhaltungen
  bei  ihren  übereinstimmenden  und  bestimmten  Angaben  stehen.
Bald  traten  die  Erklärungen  der  vier  Männer  hinzu,  das  Zeugniß  der
Kinder  jedenfalls  verstärkend.  In  den  nähern  Umständen,  welche  mit
den  behaupteten  Erscheinungen  im  Zusammenhange  stehe,;  —  soweit
wenigstens  diese  Umstände  in  glaubhafter  Weise  zur  Kenntniß  des  Pfarrers
  gekommen  sind  —,  mochten  wohl  rat-onos  äubitunä,  sein,  welche
zur  Vorsicht  mahnten;  es  waren  aber  keine  Momente  dabei,  welche  vom
theologisch-mystischen  Gesichtspunkte  mit  Nothwendigkeit  den  Pfarrer  zu
der  Annahme  führen  mußten  oder  auch  nur  die  Annahme  nahelegten,
die  Angaben  der  Kinder  beruhten  auf  Unwahrheit.  Ich  sage,  vom  theologisch-mystischen
  Gesichtspunkte:  denn  dieser  ist  zur  Beurtheilung
der  bomifides  des  Pfarrers  der  alleinberechtigte,  nicht  aber  der  natürlich-menschliche
  bezw.  rein  ästhetische.  Wenn  man  letztern  beispielsweise
an  manche  Darstellungen  der  h.  Schrift  anlegen  wollte,  so  würden  dieselben
  viel  unglaublicher  und  anstößiger  erscheinen,  als  das,  was  in  Marpingen
  sich  zugetragen  haben  soll.  Es  ist  nun  dem  Zeugen  Dr.  Scheeben,
der  sich  wohl  am  eingehendsten  mit  den  Marpinger  Vorkonlmnissen  bisher
  befaßt  hat,  auf  Veranlassung  der  Vertheidigung  die  Frage  vorgelegt
  worden  :  ob  darin,  was  ihm  bekannt  geworden  und  er  mit  dem  Pfarrer
  Neureuter  besprochen  habe,  etwas  gewesen,  was  ihn  als  Theologen
zu  dem  Ausspruch  hätte  bringen  müssen,  es  liege  eine  Täuschung  vor.
Der  Zeuge  und  in  diesem  Punkte  Sachverständige  hat  diese  Frage  rundweg
  verneint.  Hier  ist  wohl  auch  die  Stelle,  einige  kleine  theologische
Einschaltungen  zu  machen,  bezüglich  deren  ich  mich,  um  ganz  sicher  zu
gehen,  mit  einem  namhaften  Theologen  benommen  habe.  Während  der
Verhandlung  fiel  ein  mal  die  Bemerkung:  darüber,  ob  auch  heute  noch
Wunder  geschehen  könnten  und  geschähen,  feien  die  katholisch.n  Theologen
getheilter  Ansicht.  Es  ist  das  ein  Irrthum.  Daß  nach  Christus  Wunder
  sich  wiederholen  können  und  wiederholen,  ist  nicht  Meinung
            
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