Full text: Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

265 . — 
daß gerade die katholischen OrtSpfarrer in entschiedenster Weise dagegen 
aufgetreten sind, eine Thatsache, welche der Minister Dr. Friedenthal 
in der bereits erwähnten Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 16. Januar 
auch ausdrücklich anerkannt hat. Es spricht daher schon von vornherein 
eine Art Vermuthung dagegen, das; in diesem Falle katholische Geistliche 
ein so ganz entgegengesetztes Verhalten beobachtet haben sollen. Mehr 
noch widerstreitet einer solchen Voraussetzung das ganze bisherige Verhalten 
der fünf beschuldigten Geistlichen. Dieselben sind ausnahmslos unbe¬ 
scholtene Männer, denen die besten Zeugnisse der Behörden zur Sci'e 
stehen. Was insbesondere den Pfarrer Neureuter anlangt, so sprechen 
sämmtliche Zeugen von demselben mit einer wahren Hochachtung ; siebe- 
zeichneir ihn als einen frommen, musterhaften Priester, namentlich der 
Friedensrichter des Kantons, der wohl am besten Gelegenheit gehabt 
hat, den Pfarrer zu beobachten. Wenn der Landrath, der sich im Ueb- 
rigen in der günstigsten Weise über den Pfarrer äußerte, hinzugesetzt 
hat, er halte denselben für einen „Mystiker", so kann darin kein Vor¬ 
wurf liegen; die edelsten und hervorragendsten Geister auch unseres 
Volkes — ich brauche mir Joseph von Görres und Clemens Brentano 
zu nennen — haben sich eifrig mit dem Studium der Mystik beschäftigt. 
Und solche Männer wie die beschuldigten Geistlichen sollen einen betrü¬ 
gerischen Schwindel in Szene gesetzt oder doch den Glauben daran do- 
loser Weite unterhalten haben, und zwar unterhalten haben aus dem 
niedrigsten Motiv in dergleichen Dingen — in gewinnsüchtiger 
Absicht! 
Auch hier möchte ich die allgemeine Bemerkung einfließen laffen, 
daß der Annahme eines solchen Motivs — von der ja die Beschuldigung 
ausgehen muß — wieder eine gewisse praesuwptio entgegensteht. Der 
katholische Klerus hat, meine ich, gerade in unseren Tagen dargethan, 
daß ihm die Sorge um Geld und Gut wahrlich nicht in erster Reihe 
steht, rudern er um seiner Ueberzeugung willen materielle Einbußen zum 
Theil der drückendsterr Art getragen hat und noch ttägt. Auch den sämmt- 
licheir beschuldigten Geistlichen ist auf Grund des sogen. Sperrgesetzes 
der Genuß ihrer Staatseinkünfte entzogen. Doch das nur nebenher. 
Ueber das Verhalten der beschuldigten Geistlichen im Einzelnen 
hat mein Herr Kollege bereits das Nöthige gesagt. Ganz aus der Er¬ 
örterung auszuscheiden sind sofort die Pfarrer Eich und Schwaab, gegen 
die aber auch nichteinmal der Schein einer strafbaren Handlung vor- 
18
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.