Full text : Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

258

dachtsmoment  auszuräumen.  Wie  durch  die  Zeugenaussagen  bewiesen,
Laben  die  Eltern  so  oft  Geld  abgewiesen.  Wenn  sie  auf  Geldgewinn
ausgingen,  warum  thaten  sie  dann  dieses?  Ans  was  warteten  sie?  Ein
Vorfall  stellt  es  so  recht  außer  Zweifel,  daß  die  Kunz  gewiß  nicht  an
Geldgewinn  dachte.  Sie  wurde  nämlich  versucht,  und  die  Versuchung
kam  in  der  Gestalt  eines  frommen  Irländers.  Er  bot  dem  Kinde  5  Ji
Dieselben  wurden  zweimal  zurückgewiesen.  Dann  ließ  der  Irländer  sie
liegen.  Aber  die  Wittwe  Kunz  rief  ihm  nach,  man  wolle  sein  Geld
nicht.  Und  da  er  es  trotzdem  nicht  mitnehmen  wollte,  wurde  es  an
2  Arme  gegeben,  an  die  Wittwe  Prokaskar  und  an  eine  Andere,  die
ebenfalls  als  Zeugin  ja  hier  war.  Wenn  es  nun  um  Geldgewinn  zu
thun  gewesen,  warum  sollte  da  die  Beschuldigte  von  dem  Fremden,  wo
jedes  Bekanntwerden  ausgeschlossen  war,  das  Geldstück  zurückgewiesen
haben?  Als  der  Hr.  Freiherr  von  Meerscheidt-Hüllessem
der  Wit  tlve  Kunz  diese  Grube  grub,  da  dachte  er  nicht,
daß  dieJntegrität  seines  Charakters  darin  versinken
werde,  noch  weniger,  daß  dieser  Vorfall  der  schlagendste  Beweis
  für  die  Unschuld  der  Beschuldigten  werden  würde.
Was  Neur.  angeht,  so  hieße  es,  den  Mann  beleidigen,  wenn  man
es  für  nöthig  zu  halten  schien,  ein  Wort  in  dieser  Beziehung  zu  sagen.
Wir  haben  den  Domkapitular  Herrn  de  Lorenzi  gehört.  Was  waren
da  für  Parallelen  zu  ziehen  zwischen  Pastor  Neur.  und  den  jetzt  von
einem  ähnlichen  Vergehen  wieder  freigesprochenen  Männern  der  Effektenbank!

Geradezu  komisch  wird  aber  die  Anklage,  wenn  sie  behaupten  muß,
daß  Pastor  Schneider  zur  Ausschmückung  einer  Nachbarkirche,  und  Dicke
aus  Minden  und  Thömes  aus  Stuttgart  gar  zur  Ausschmückung  einer
ihnen  bis  dahin  selbst  dem  Namen  nach  unbekannten  Kirche,  zu  Betrügern
  geworden  seien.
Meine  Herren!  Wenn  die  Beschuldigten  so  sicher  vorsätzlich  Unwahres
  behauptet  hättrn,  wie  sie  es  nicht  gethan  haben,  dann  wäre  es
zur  Hebung  des  Marienkultus  und  damit  der  Religiosität  überhaupt  geschehen,
  aber  nie  der  Groschen  willen!
Wenn  die  Anklage  endlich  subsidiarisch  die  drei  Kinder  als  die
Betrüger  darstellt  und  die  Beschuldigten  nur  als  deren  Gehilfen,  so  ist
das  offenbar  geschehen,  um  ein  paar  Momente  heranziehen  zu  können,
die  mau  mit  dem  besten  Willen  nicht  als  falsche  Thatsachen  qualifiziren
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.