len, ich will z. B. sagen, daß in Marp. wunderbare Heilungen vorkämen,
und daß weiter dieser Irrthum nur von Beschuldigten erregt worden
sein könne. Das ist nun jedenfalls nicht richtig. Die Wenigsten von
denen, die Marp. besuchten, werden die Broschüren oder Briefe der Beschuldigten
gelesen haben. Ich darf wohl behaupten, daß diejenigen,
welche die Broschüren lasen, schon vorher überzeugt waren, diese Lectüre
also jedenfalls den Irrthum nicht erregte.
Die einzigen, die in M. geopfert haben, und zwar 2'/» 2gr-, und deren
Namen bekannt sind, sind die Eheleute Doerr, und es ist nicht nur nicht bewiesen,
sondern man hat nicht einmal den leisesten Grund für die Annahme,
daß sie je mit einem der Beschuldigten gesprochen. 'Publizirt war damals
noch nichts. Ohne die Bezeichnung bestimmter Personen läßt sich
ebensowenig prüfen, aus welchem Motiv sie gehandelt haben. Erinnern
Sie sich nur, wie viel vornehmer Besuch nach Marpingen kam und
dann die Gefälligkeit, oft sogar die Gastfreundschaft des Pastors in
Anspruch nahm. Was war natürlicher, als daß man beim Besuche der Kirche
etwas in den Opserstock warf, gewissermaßen um sich zu revanchiren?
Man wird wohl nicht ausstellen können, daß bei Al len, die opferten,
das Motiv ein Irrthum war. Der Strafrichter kann aber doch auch
nicht sagen, es wird wohl einer darunter gewesen sein. Das Resultat
meiner Ausführung ist also, daß das 3. Kriterium gar nicht zu prüfen
ist, weil man gar nicht weiß, bei wem.
Zum Betrüge gehört sodann ein Vermögensvortheil auf Seiten
des Täuschenden oder eines Dritten. Auch hier kommen zunächst die Eltern
in Betracht. In den ersten Tagen, so lange man noch nicht glaubte
und so lange nur Marpinger in den Wald kamen, wurde gewiß gar
kein Geld zum Vorschein gebracht. Erst als die Fremden kamen, geschah
dies; und wir haben von der Zeugin Schwind gehört, daß am
11. Juli der kleinen Kunz von mehreren Personen Geld gegeben wurde.
Das war für das Kind neu, 'und in seiner Arglosigkeit nahm es z. B.
den Thaler, zeigte ihn offen, nicht heimlich, dem andern Kinde und steckte
ihn mit Freuden in die Tasche. Ich meine, wenn man ohne Vorurtheil
die Sache betrachtet, dann kann sie nicht auffälliger erscheinen, als wenn
überhaupt ein Kind ein Geldgeschenk von einem Erwachsenen annimmt.
Wir haben aber von den Zeugen gehört, ein wie feines Gefühl man
hatte; man fand es wegen der möglichen Auslegting unpassend, daß
das Kiitd das Geld in seiner Sorglosigkeit genommen, und so haben die