Full text : Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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Die  Untersuchung  ging  gewiß  mit  ungläubiger  Kritik  zu  Werke,  und
welche  Erklärung  der  Vorfälle  im  Härtelwaloe  hielt  man  als  die  einzig
mögliche  fest?  —  Anstiftung.  —  Daß  das  nun  nicht  wahr  war,  wußten
  die  Beschuldigten  und  sagten  sich  deßhalb  mit  Recht:  die,  die  n  a  -
türlich  erklären  wollen,  finden  nur  diesen  falschen  Ausweg.  Meine
Herren!  das  ist  wieder  eine  der  bösen  Folgen,  daß  man  den  Geistlichen
von  vorn  herein  und  ohne  Grund  Mißtrauen  entgegentrug.
Mit  dem  gewonnenen  Resultate  stimmen  auch  die  Aussagen  sämmtlicher
  Zeugen  überein,  die  man  überhaupt  mit  Rücksicht  auf  ihren  Bild
  mgsgrad  fragen  kennte.  Vornehmlich  aber  erinnere  ich  an  den  Friedensrichter,
  der  Reur.  seit  7  Jahren  kennt  und  dessen  Aussage  in  dem
Tatze  kulminirte:  „Reur.  kann  betrogen  werden,  selbst  ab.r  nicht  betrügen."
  Rur  wenn  man  die  bona  fides  Reur's.  annimmt,  kann  man
erklären,  daß  er  sich  an  Prof.  Schieben  wandte,  von  dem  er  sonst  doch
Aufdeckung  fürchten  mußte,  und  ebenso,  daß  er  dem  Domkapitular  de
Lorenzi  Mittheilung  machte,  ju  der  er  nach  Lage  der  Dinge  nicht  verpstichtet
  war.
Nachdem  wir  nunmehr  festgestellt  haben,  daß  die  Beschuldigten,  um
es  kurz  zu  sagen,  an  Marp.  glaubten,  wollen  wir  nun  zusehen,  ob  und
welche  bezüglichen  Thatsach.m  sie  aufgestellt  haben.
Die  Eltern  der  Kinder  haben  zunächst  gar  keine  Thatsachen  aufgestellt.
  Die^unz  hat  zwar  einmal  geäußert:  „es  ist  kein  Schwindel,  sondern
  Wahrheit,  so  wahr  ein  Gott  im  Himmel  ist!"  —  aber,  meine  Herren,
das  ist  ein  Ausdruck  der  Ueberzeugung,  aber  nicht  Aufstellung  einer
Thatsache;  und  wer  etwas  glaubt,  weil  ein  anderer  es  glaubt,  der  kann
doch  nicht  sageil,  das;  er  betrogen  worden  sei.  Die  Namen  der  andern
Eltern  sind  im  Laufe  der  Verhandlung  überhaupt  gar  nicht  genannt
worden.  Ich  muß  den  Herrn  Oberprokurator  deßhalb  vor  Allem  einladen,
  doch  zunächst  einmal  die  Thatsachen  benennen  zu  wollen,  die  die
Eltern  aufgestellt  haben  sollen.
Was  dagegen  Neureuter  und  Schneider  sowie  Dicke  lind  Thömes
angeht,  so  haben  sie  in  der  That  behauptet,  daß  wunderbare  Heilungen
vorgekommen  seien.
Auf  das  Spezielle,  was  die  Verhandluilg  ergeben,  komme  ich  nicht
zurück.  Nur  dio  allgemeinen  Gesichtspunkte  seien  kurz  berührt.  Die
Gutachten  der  Aerzte  lagen  den  Beschuldigten  nicht  vor.  Aber  auch,
nachdem  wir  diese  Gutachten  jetzt  gehört  haben,  muß  man  doch  gestehen,
            
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