Full text : Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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die  Erscheinung  gesehen  zu  haben.  Von  dem  Zeugen  Thome  haben  wir
gehört,  wie  gerade  durch  die  Aussage  der  4  Männer  die  Ueberzeugung
Vieler  bestimmt  wurde.
Das  Resultat  war,  daß  bald  ganz  Marp.  glaubte;  die  Zeugen
haben  ihren  Glauben  beschworen,  und  auch  die  wenigen,  die  nicht  glauben,
  geben  zu,  daß  sie  mit  ihrer  Ansicht  allein  gestanden.  Das  Zusammenströmen
  der  Menschen  ließe  sich  zur  Noth  noch  durch  Neugierde
erklären;  daß  man  aber  an  Ort  und  Stelle  betete  und  die  Kranken
herbeibrachte,  erklärt  sich  nur  durch  den  Glauben.  Wenn  nun  ganz
Marpingen,  wenn  die  ganze  Umgebung  glaubte,  warum  sollen  da  nicht
die  Eltern  der  Kinder  geglaubt  haben?  Warum  nicht  der  Pastor,  der
zudem  die  Vorfälle  nur  durch  die  Gläubigen  erzählen  hörte?  Bei  den
Geistlichen  der  Umgebung  und  etwas  später  bei  Dicke  und  Thöines
waren  dieselben  Eindrücke  und  deßhalb  auch  dieselbe  Wirkung  wie  bei
Neureuter.
So  hat  denn  auch  der  Herr  Ober-Prokurator  im  Ernste  nicht  verabredet,
  daß  die  Beschuldigten  im  Anfange  bona  bäs  gewesen  seien.
Er  meint  nur:  durch  den  spätern  Widerruf  der  Kinder  hätte  diese  bona
fides  zerstört  werden  müssen.  Es  steht  nun  natürlich  fest,  daß  die  Kinder
in  der  That  in  der  Mariannen-Anstalt  und  vor  dem  Untersuchungsrichter
  widerrufen  haben,  aber  selbstverständlich  konnte  dieser  Widerruf
nur  in  so  weit  auf  die  Ueberzeugung  der  Beschuldigten  wirken,  als  er
ihnen  bekannt  geworden.  Der  Widerruf  begann  vor  dem  Geheimpolizisten,
  dann  auch  vor  dem  Untersuchungsrichter,  aber  zunächst  nur  bezüglich
  der  spätern  Erscheinungen  des  Teufels  und  anderer  mehr.  In
diesen  Moment  fällt  nun  die  Vernehmung  des  Past.  Neureuter,  und  wurde
er  mit  den  Berichten  des  Polizisten  und  der  Vernehmung  der  Kinder
bekannt  gemacht.  Dem  v.  Hüllessem  glaubte  er  nicht  und  daran  that
er  Recht.  Was  aber  vor  dem  Untersuchungsrichter  geschehen  war,
betraf,  wie  schon  gesagt,  nicht  die  Erscheinungen  der  Mutter  Gottes,
sondern  nur  die  spätern,  bezüglich  deren  Neureuter  selbst  seine  Zweifel
ausgesprochen  hatte.
Das  ist  alles,  was  Neureuter  bezüglich  des  Widerrufes
  autoritativ  erfuhr.
Dagegen  hat  der  Zeuge  Strauß  dem  Pastor  Neureuter  von  seiner
Begegnung  mit  der  Kunz  Kenntniß  gegeben.  Was  Neureuter  so  erfuhr,
gab  ihm  zunächst  jedenfalls  keine  Erklärung  der  Vorfälle  im  Härtelwalde;
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