Full text: Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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der Beweis vollständig erbracht ist. In ihrem Hause erschien im Dorfe 
zuerst die Mutter Gottes. 
M. H., ich komme nun zum Falle N e u r e u t e r. Sie haben aus 
dem Munde des gestrigen Zeugen, des Domkapitulars de Lorenzi, das 
beste Zeugnist gehört und glaube ich auch, dast es bei Ihnen in derselben 
Weise den günstigsten und vortheilhastesten Eindruck gemacht hat. Sie 
haben von dem Zeugen Gatzen gehört, dast er ihn nicht eines Betruges 
für fähig halte. Und dennoch bin ich n i ch t i n d e r L a g e, die Be- 
schuldigung gegen ihn fallen 311 lassen. Pastor N e u r. hat meines 
Erachtens in einer Weise an den Thathandlungen Theil genommen, dast 
gegen ihn der Beweis erbracht erscheint. Und zwar fallt in dieser Be¬ 
ziehung sein eigenthümliches Verhalten unmittelbar nach der 1. Erschei¬ 
nung am 3. Juli in die Waagschale. Sie hören, wie er sagte: „Ich 
habe mich weiter nicht darum bekümmert." Er hat auch gesagt: „Ist 
es Menschenwerk, so wird's vergehen, ist es Gotleswerk, so wird's be¬ 
stehen." Diese passive Rolle hat er jedenfalls nicht inne gehalten. Wir 
sehen ihn unmittelbar nachher in Korrespondenz treten mit Past. Eich ; auch 
Eich schrieb ihni darüber. Er selbst hat früher dieses in Abrede gestellt, 
dast er einen solchen Brief geschrieben habe, und dennoch hat uns Eich 
bestätigt, dast der Brief geschrieben worden sei. Sie haben ferner ge¬ 
hört, wie Neur. vont Regierungspräs, gefragt wurde: «Wie steht's? ich 
habe gehört, dast ein Mann bei Ihnen gewesen ist!" da sagte er, er 
hätte den Mann nicht gekannt; und dennoch hat er später zugeben 
müssen, dast es der Hubertus war. Von dem Untersuchungsrichter wird 
weiter bekundet, daß er gesagt habe, daß dazu (zum Bau der Kapelle) 
die Genehmigung der kgl. Regierung gehöre. Er habe dem Mann auch 
gesagt, dazu gehöre Geld. Im Gegensatze dazu steht die offenbare, durch 
den Kreisphysikus und andere Personen bekundete Thatsache, dast er nur 
gesagt hat, dazu gehöre Geld, und der Bürgermeister Woytt erwidert hat, es 
gehöre dazu außerdem die höhere Genehmigung, weil der Grund, worauf 
die Kapelle gebaut werden solle, ein Gemeindeeigenthum sei. Sie hören 
ferner, dast der Beschuldigte in seinem ganzen Verhalten nicht so neutral 
geblieben ist, sondern gar bald sich in seinem Hause eine vollständige 
literarische Thätigkeit über diesen Vorfall entwickelte. Es kommen dort, 
nicht nur die nächsten Pfarrer der U ngegend, sondern auch noch die 
Angeklagten Eich und Schütz zusammen. Es fanden sich dort e.n die 
Angeklagten Dicke und Thömes, welche jetzt eine schriftstellerische Thätig-
	        

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