Full text: Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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nicht selbst vorgebracht, so doch zu unterhalten und zu fördern versucht 
hat, so daß gegen sie ein selbständiger Betrug vorliegt. Sie hat dieses 
gethan offenbar in der Absicht, das Vermögen frommer und gutgläubiger 
Personen zu beschädigen und sich dadurch einen Vortheil zu verschaffen, 
mag bei ihr auch der Gedanke mit untergelaufen sein, auc'»; der Kirche 
oder dein Opferstock Vortheil zu verschaffen. Sie haben gehört, m. H., 
wie Eva Schwind bekundet, daß das Kind der Beschuldigten Geld 
angenommen hat, und daß es nirgendwo anders hingekommen sein kann 
als in den Besitz der Mutter. Einzelne, wie Zeuge Jonen, haben dem 
Kinde in Gegenwart der Mutter damals ein Markstück gegeben. Alle 
diese Momente zusammen gereiht, scheinen mir den Beweis der Thäter¬ 
schaft darzuthnn. Sollten Sie nicht der Ansicht sein, daß ein selbständiger 
Betrug vorliegt, dann bin ich der Meinung, daß die event. Beschuldigung, 
wie sie in der Anklage weiter aufgeführt wiro, ju erheben ist, nämlich, daß 
ffie in Gemeinschaft mit Anderen zu dem Betrüge durch Rath und That 
wissentlich Hülfe geleistet hat. Von jeder einzelnen Thathandlung der 
Kinder brauchten nach dem Gesetze die Eltern nicht vollständig Kenntniß 
zu haben. Es genügt meines Erachtens zuin strafrechtlichen Dolus ^ 
wenn das Bewußtsein nach Lage der Umstände vorhanden sein mußte, 
daß nichts anderes vorliegen konnte als Betrug. Es ist nun auch nicht 
erforderlich, daß jedes einzelne Moment und alle Umstände eriviesen sind; 
es genügt, wenn im Allgemeinen nur einzelne spezielle Thatsachen den 
Eltern bekannt sind. Das kann aber nach Lage der Sache bei dieser 
Frau nicht bestritten werden. In ihrer Gegenwart haben die Kinder 
Geld angenommen, sie hatte Kenntniß davon, daß die Kinder wider¬ 
rufen hatten, und trotzdem rhr von Dr. Strauß gesagt worden war, daß 
die Kinder revocirt hätten, duld-te sie nicht nur diesen Irrthum, sondern 
unterstützte ihn sogar, so daß das Kind ihn noch weiter fortführte, woran 
sich dann eine Reihe von Gewerbevergehen anschloß. Diese Thatsachen 
scheinen mir für die event. Beschuldigung zu sprechen. Ich beantrage, 
daß, wenn Sic die prinzipaliter erhobene Beschuldigung nicht annehmen, 
Sie jedenfalls das Vergehen der wissentlichen Hülfeleistung zum Betrüge 
als erwiescn ansehen wollen. 
In ähnlicher Weise, m. H., verhält es sich nun auch mit der 
Wittwe Katharina Leist, geb. Blies; die Anschuldigung ist die¬ 
selbe gegen sie. Sie hören auch hier das ärztliche Gutachten, daß die 
Aussagen der Kinder nur geplante Machinationen und Mystifikationen
	        

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