Full text: Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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Posthaller Gregorius vorgekommen ist. Als die Kinder in St. Wendel 
vernommen wurden, flüsterte die Mutter Kunz mit den anderen Müttern 
der Kinder, „„das; da in der Stube überhaupt Tabak geraucht werde 
und was die Herren davon denken sollten"; und dann kamen die Kinder 
mit dem Rosenkranz herein, und die Kunz sagte: „„unsere Kinder kön¬ 
nen Hinsort nicht mehr ohne Rosenkranz sein."" Sie hat dann auch 
später unmittelbar nach diesen Thatsachen, die die Kiirder begingen, und 
nachdem sie in Erfahrung gebracht, was Referendar Straus; gesagt, in 
welcher Weise das Kind die Unwahrheit gesagt — da hat sie trotzdem 
das Kind nicht davon abgebracht, im Gegentheile, sie hat verschiedenen 
Leuten das Kind als Wunderkind vorgestellt. Im Hause der Hubertus 
ist eine Art Gastwirthschast begründet worden Ueber 100 Gäste haben 
dort logirt, und eine Menge Leute wurde dort im Hause zum Kaffee 
ausgenommen. Und alle diese Momente sprechen meines Erachtens ent¬ 
schieden gegen den guten Glauben der Ehefrau. Sie haben in diesem 
Punkte die früheren Akten; m. H., sie liegen Ihnen vor. — Auch an die 
Aussagen des Kindes, ihrer Tochter Margaretha, dürste hier wohl noch 
zu erinnern sein; sie hat in der Anstalt gesagt: „..Ach, wenn ich zu 
Hause geblieben wäre, wäre ich jetzt reich."" Sie hat sogar gesagt, sie 
würde ein neues Kleid, eine Tunika bekommen haben. Und als von 
der Mutter die Rede war, sagte sie: „„Ach, meine Mutter! ach, meine 
Mutterl Sie weis;, warum ich so sage!"" — Alle diese Momente 
sind meines Erachtens solche, die gegen diese Frau erwiesen sind. 
An die Aussagen der Zeugen brauche ich wohl nicht weiter zu 
erinnern. Sie ist auch diejenige, die mit den andern am 11. Juli 
das Hochamt für die Kinder beim Pastor Neur. bestellt hat. Die 
sämmtlichen Eltern bestellten dieses Hochamt; die sämmtlichen hatten an¬ 
geblich uur von den Kmdern gehört, sie wollten die Muttergottes-Er- 
scheinung gesehen haben. Diese sagte, sie sollten morgen wieder in den 
Wald kommem Darauf wixd das Hochamt celebrirt und dann ging 
man aus der Kirche in vollständiger Prozession zunr Walde, ein Vorfall, 
worüber sich die Notizen des Pastor Neur. und andere Schritten des 
Näheren «Massen. Ich bin der Meinung. m. H., daß die Thatsachen, 
die von verschiedenen Zeugen in dieser Hinsicht gegen die Frau vorge¬ 
bracht worden sind, hinreichend sind, die bona fides zu zerstören, in 
welcher die Frau gehandelt zu haben behauptet. Ich bin der Meinung, daß 
diese Thatumstände genügen, daß sie die falschen Thatsachen, wenn auch
	        

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