Full text : Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

224

sagt  habe,  sie  erklärte  (soviel  ich  mich  hier  erinnere)  unter  Anrufung  des
h.  Namen  Gottes,  dal;  sie  die  Unwahrheit  gesagt  habe.  Sie  hören,  daß  das
Zeugniß  dieser  Frau  vollständig  unterstützt  wurde  durch  das  Zeugniß
der  Helena  Schmidt;  auch  dieser  Zeugin  gegenüber  hat  das  Kind
Marg.  Kunz  erklärt,  daß  sie  die  Unwahrheit  gesagt,  der  Zeugin  Riemer
dagegen  haben  alle  drei  Kinder  es  erklärt.
Nun,  m.  H.,  kommt  dasseuige  dazu,  was  uns  der  Zeuge  Dr.  Strauß
erzählt  hat.  Sie  hören,  in  welcher  Weise  dieser  Beamte  damals  einen
Auftrag  bekam,  die  Marg.  Kunz  nach  Mary.  zu  führen.  Marg.  hatte
nämlich  zum  Untersuchungsrichter  gesagt,  es  sei  ein  Mädchen  aus  dem
Eulenwald  oder  aus  Bliesen  gekommen  und  habe  ihr  gesagt,  sie  solle
sagen,  das  wäre  die  Mutter  Gottes  gewesen.  Das  sei  am  3.  Juki
gewesen.  Dieses  Mädchen  wäre  aber  nicht  von  der  Seite  hergekommen,
wo  sie  hergekommen,  sondern  von  der  entgegengesetzten  Seite.  Es  galt
also  nunmehr,  dieses  Mädchen  zu  ermitteln,  um  darnach  weiter  schlüssig
zu  werden.  Der  Herr  Untersuchungsrichter  vertraute  Herrn  Referendar
Strauß  das  Kind  an.  Ich  will  Ihnen  nicht  die  ganze  Erzählung
des  Zeugen  wiederholen,  wie  von  Referendar  Strauß  das  Kind
zuerst  am  Abende  in  seinem  elterlichen  Hause  unter  die  Pflege  seiner
Mutter  gegeben  —  einer  guten  kath.  Frau,  und  eben  so  rühnrt  sich
Herr  Dr.  Strauß,  ein  guter  Katholik  zu  sein,  —  in  diesem  Hause
wurde  das  Kind  untergebracht;  da  trat  Strauß  Abends  mit  ihm  in  Unterredung.
  das  Kind  berief  sich  mied.'rum  auf  den  h.  Namen  Gottes  :  „„  Bo  wahr
ein  Gott  im  Himmel  ist,  so  wahr  ist,  was  ich  jetzt  erzählt  habe;  es  ist
mir  keine  Madonna  erschienen;  ich  habe  eine  Frau  im  Walde  gesehen
mit  eineni  Tuche  über  dem  Kopfe""  —  und  das  Andere  sei  Alles  von
ihm  erdichtet  und  hinzugethan.  Diese  Erzählung  vor  Herrn  Referendar
fand  auch  auf  dem  Wege  über  Urexweiler  ihre  Bestätigung  und  dort
kamen  sie  am  Pfarrhause  vorbei,  wo  früher  Referendar  Strauß  erzogen
worden  war.  Dort  sagte  er  zu  dem  Kinde:  „In  diesem  Hause  habeich
längere  Zeit  zugebracht,  bin  ich  erzogen  worden."  Er  ging  von  da  nach
Marpingen  hin  und  führte  das  Kind  zu  seiner  Mutter,  und  dort  hat
das  Kind  in  Gegenwart  der  Mutter  durch  Kopfnicken  zugegeben,  daß
Alles,  was  es  früher  gesagt,  gelogen  gewesen  sei,  rrnd  als  darauf  die
Mutter  das  Kind  verstoßen  wollle  und  zn  ihm  sagte:  „Dann  will  ich
nichts  mehr  von  dir  wissen!"  --  da  klammerte  sich  das  Kind  an  Herrn
Strauß  an  und  sagte:  „Ich  habe  nicht  die  Mutter,  sondern  Dich  belogen!"
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.