Full text : Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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Kinder  befragt  hat  nach  allen  Richtungen  und  sie  nun  auch  fragte,  ob  sie  kein
Geld  angenoinmen  hätten  —  daß  sie,  sage  ich,  vor  ihm  mit  kühner  Stirne
behaupteten:  „Wir  haben  kein  Geld  angenoinmen."  Und  die  gut  beleumundete
  Schwind  hat  dem  gegenüber  erklärt,  daß  sie  gesehen,  daß
Geld  gegeben  wurde,  daß  namentlich  von  dem  Zeugen  Dörr,  der  2'/g
Groschen  gegeben  haben  will,  ein  Thaler  aus  dein  Portemonnaie
genommen  wordeii,  daß  dieses  größere  Geldstück  der  Frau  gegeben,  dann
den  Kindern  hingegeben  wurde,  daß  eines  der  Kinder,  die  Margaretha
Kiinz,  den  andern  Kindern  das  Geldstück  gezeigt,  sich  darüber  gefreut,
es  in  die  Tasche  gesteckt,  die  Tasche  geöffnet  und  den  andern  Kindern
einen  Blick  in  die  Tasche  gewährt  hat.  Das  ist  von  Zeugin  Schwind
bekundet  worden,  und  trotzdem,  daß  dieser  Herr  es  ihnen  vorhielt,  behaupteten
  sie:  „nein!"  Tas  ist  die  erste  vollständig  nachgewiesene
Unwahrheit.  Eine  fernere  Unwahrheit  ergab  sich  vor  demselben  Herrn
unmittelbar  darnach.  Es  war  die  Rede  davon:  „Habt  Ihr  in  den
Büchern  B  Iber  gesehen  oder  Derartiges  schon  abgebildet  gesehen?"  Und
die  Kinder  sagten  dem  Hrn.  Friedensrichter,  daß  sie  etwas  Derartiges
nicht  gesehen  hätten.  Und  doch  hat  sich  im  Besitze  der  andern  Schwester  der
Kunz  die  Bilderbibel  von  Schuster  vorgefunden  und  hat  die  Lehrerin  Andre
eine  Zeitlang  den  Unterricht  in  der  Religion  nach  dieser  Bilderbibel  ertheilt.
  Also  auch  da  haben  sie  wieder  gelogen.  Sie  hören  aber,  m.
H.,  daß  dabei  die  Unwahrheit  der  Kinder  nicht  stehen  blieb.  Der
Zeuge  Gensdarm  Schmidt  steht  in  seiner  Stube  am  Fenster  oder  auf
der  Straße  irgendwo  und  sieht  nun  2  der  sogena  ixten  Gnadenkinder
heran  kommen,  beide  unterhalten  sich  und  das  Eine  sagt  zu  dem  Andern:
  „Ich  sage  net  mehr  so,  die  Leute  glauben'»  doch  net/'  Da  sagte
das  Andere:  „Einige  glauben  es  doch  noch."  Das  hört  der  Gensdarm
und  wird  in  deniselben  Augenblicke  von  den  Kindern  bemerkt,  und  damit
  war  Alles  still.  Daß  diese  Aeußerung  sich  auf  die  wunderbare  Erscheinung
  bezog,  das  haben  die  Kinder  auch  selbst  zugegeben.  So  also
charakterisirt  sich  die  Aussage  der  Kinder.
Am  27.  Oft.  wurde  nunmehr  von  den  Kindern  zuerst  vor  dem
Zeugen  v.  Hüllessein  ein  Widerruf  abgegeben,  der  enthalten  ist
in  dem  Protokoll,  welches  der  Zeuge  eingereicht  hat  und  zwar  in  Betreff
  der  Teuselserscheinungen  und  der  Erscheinungen  des  h.  Geistes;
diese  seien  nämlich  unwahr.  Es  ist  das  das  viel  bestrittene  Protokoll,  das
damals  eingereicht  wurde;  es  liegt  Ihnen  hier  vor.  Sie  haben  auch  das
            
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