Full text : Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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herniederläßt  und,  was  nur  einmal  in  der  christlichen  Religion  des
Mensch  gewordenen  Gottessohnes  vorgekommen  ist,  sich  wiederholt,  daß
nämlich  eine  Stimme  ries:  „Das  ist  mein  geliebter  Sohn,  an  dem  ich
mein  Wohlgesallen  habe."
Wenn  unter  einer  derartigen  Aeußerung  die  Madonna  in  dieser
Weise  erscheint,  dann  meine  ich,  meine  Herren,  dann  märe  es  nicht
in  einer  Weise  geschehen,  wie  es  Gottes  würdig  wäre.  Ich  will  von
den  Erscheinungen,  die  sich  unmittelbar  daran  anreihen,  den  Erscheinungen
  in  Münchwies,  Berschweiler,  Gappenach,  davon  will  ich  nicht
sprechen,  die  sind  zu  gerichtskundig,  als  daß  daraus  eingegangen  zu
werden  brauchte.  Alle  diese  Momente  scheinen  mir  es  darzuthun,  daß  die
Wunder,  welche  behauptet  wurden,  weder  Gottes  würdig  noch  nützlich
waren.  Wenn  nun  dasjenige  fehlt,  was  zum  Begriffe  eines  Wunders
gehört,  und  wenn  die  sogenannten  Heilungen  alle,  wie  sie  vorgeführt
worden  sind,  nach  den  ärztlichen  Attesten  und  Berichten,  die  vorgelegen
haben,  wie  der  Nebel  vor  der  Sonne  verschwinden,  wenn  diese  angeblichen
  Wundererscheinuugen  nicht  in  der  Weise  stattgefunden  haben,  wie
sie  in  den  Zeitungen  berichtet  worden,  dann  glaube  ich,  daß  man  annehmen
  kann,  daß  voil  einem  Wunder  keine  Rede  mehr  sein  könne.
Möglich  ist  ja  immer,  daß  ein  frommes  und  gläubiges  Gemüth  und
gottlob  ist  unser  deutsches  Volk  noch  fromm  und  gläubig,  das  geht
daraus  hervor,  daß  es  in  diesen  Massel:  und  Schaaren  hineilt,  wo  es
glaubt,  seinen  religiösen  Bedürfnissen  genügen  zu  können  —  möglich  ist,
daß  ein  frommes  und  glülibiges  Gemüth  durch  die  Macht  des  Gebetes
Kraft  sucht  und  gewinnt;  aber  dadurch  werden  doch  auf  der  andern
Seite  ilicht  die  Thatsachen  wahr,  welche  die  Kinder  behaupteten.
Und  daß  diese  Thatsachen  nicht  wahr  sind,  haben  Sie  aus  dem
Munde  der  Kinder  durch  die  Zeugen  selbst  vernommen.  In  diesem
Sinne  beziehe  ich  mich  kurz  darauf,  daß  schon  in  der  ersten  Verhandlung
vor  dem  Untersuchungsrichtxr  Remelo  ein  Widerspruch  der  Kinder  sich
herausgestellt.  indem  die  Kinder  nach  der  Darstellung,  die  sie  damals  vor
dem  Untersuchlingsrichtec  gemacht,  die  einzelnen  Fragen  an  die  Erscheinung
  aus  sich  selbst  gethan  hätten,  dagegen,  wie  sich  aus  der  Zeugenvernehmung
  der  Langendörfer  uild  Vlies  ergibt,  diese  Fragen  von
anderen  Leuten  gestellt  worden  und  nicht  in  dem  Kopfe  der  Kinder
erwachsen  sind.  Aber  davon  abgesehen,  hören  Sic,  daß  vor  dem
Friedensrichter  Gatzen,  der  ein  gläubig  frommer  Mmn  ist,  der  die
            
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