Full text: Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

an die Stelle hingeführt worden, an der fraglichen Stelle fei eine Um¬ 
zäunung gemacht worden, ein Kreuz errichtet, es sei geopfert worden, es 
fei ferner den Kindern zu gewisser Zeit nach den vorgeschriebenen Ge¬ 
beten die Mutter Gottes erschienen und die Kranken hätten dort den 
Fuß der Madonna berühren dürfen, und die Kranken hätten darauf 
Heilung gefunden. Indessen nicht allein im Walde haben sie die Er¬ 
scheinung vorgefunden, sondern sie sei auch ans dem Walde mit heraus¬ 
gezogen, bis an die ersten Häuser des Dorfes. Die Erscheinung sei 
ferner an einem Tage mit dem Leichenzuge auf den Kirchhof gezogen, 
dort habe sie sich niedergelassen auf den Grabstein der Schwester des 
Pastors Neur. Die Erscheinung sei in die Kirche, in di) Schule ge¬ 
kommen, sei mit den Kindern aus dem Orte heraus, bis nach Tholey 
in den Laden bei Schwan, mitgezogen. Das sind in kurzen Umrissen 
die Thatsachen, welche behauptet worden sind. Die Anklage behauptet, 
daß alle diese Thatsachen unrichtig, reicht wahr seien, daß die 
Kinder die Unwahrheit gesagt, indem sie angegeben haben, daß 
sic diese Erscheinungen gehabt, und daß es sich nicht um wunder¬ 
bare Erscheinungen handele, sondern um die Ausstellung un¬ 
wahrer falseher Thatsachen und die Unterdrückung wahrer 
Thatsachen, welche eines der Krirerien des § 263 des Str -G.-B. 
bilden. Es kann natürlich nicht meine Aufgabe sein, zu beweisen, daß 
den Aussagen der Kinder kein Wunder zu Grunde liege, das Wunder würde 
ja von der Gegenseite bewiesen werden müssen. Ich kann mich zunächst nur 
aus den rationellen Boden der Erfahrung des Lebens und der Wissen¬ 
schaft stellen, wonach ich nur angeben kann, daß ein Wunder nicht pas- 
sirt ist, ohne zu leugnen, daß der liebe Gott, der Allmächtige, der all¬ 
überall und allgegenwärtig ist, sich manifestiren kann, wo, wie und wann 
es ihm gefällt. 
Ich bm nun der Meinung, daß diese Thalsache, welche von Kin¬ 
dern vorgebracht ist, als Hallucination zu erklären ist, oder als 
unwahr vorgebrachte Thatsache. Was die Hallucination 
angeht, so hörten Sie in dieser Hinsicht von den Herrn Kreisphyfikern, 
daß Hallucinationen, die ja nichts weiter sind als pathologische Erschei¬ 
nungen im Gehirn des Menschen, bei den 3 Kindern zusainmen nicht 
an gleichen! Orte, an gleichen Tagen und zu gleicher Zeit in derselben 
Weise eintreten können, so daß eine Krankheit der Kinder in keiner Weise 
angenommen werden könne. Sie hörten von den Herrn Sachverständi- 
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