Full text : Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

da  diese  Beschuldigung  wesentlich  auf  den  Aussagen  der  Jda  Birkenfeld
basirte  und  auf  den  Aussagen  eines  jungen  Mannes,  eines  Schusters
Namens  Bausch,  der  aber  in  gegenwärtiger  Verhandlung  nur  kurze  Andeutung
  zu  geben  vermochte,  der  nicht  den  ersten  Theil:  „Weichet  nicht
Euern  Feinden,"  sondern  nur  den  zweiten  Theil:  „die  Mutter  Gottes
wird  Euch  schützen,"  in  der  Sitzung  aufrecht  halten  konnte,  —  so  liegt
in  dieser  Beziehung  allerdings  meines  Erachtens  der  Beweis  schwach.
Ich  bin  der  Meinung,  daß  in  dieser  Beziehung  der  Beweis  gegen
Pfarrer  Eich  nicht  erbracht  ist;  sollten  Sie,  meine  Herren,  anderer
Meinung  sein,  so  würde  der  §  110  zur  Zuwendung  gelangen,  und  gegen
Pastor  Eich  auf  eine  Strafe  erkannt  werden  müssen,  und  falls  die  zweite
Beschuldigung,  welche  gegen  Eich  erhoben  worden  ist.  bewiesen  werden
sollte,  würden  beide  Strafen  zu  einer  Gesammtstrafc  zu  vereinigen  sein;
ich  meinerseits  bin  nicht  der  Meinung,  und  beantrage  Fre  i  sp  r  ech  un  g,
stelle  dieses  Ihrem  Ermessen  natürlich  anheim.
Ich  komme  nun,  meine  Herren,  nachdem  diese  Punkte  ausgeräumt
sind,  zu  der  Beschuldigung  des  Betrugs.
Sie  haben  aus  den  Verhandlungen  entnommen,  wie  am  3.  Juli
1876  zuerst  die  drei  Kinder  in  den  Wald  gegangen  sein  sollen,  und,
wie  sie  angegeben,  dort  oben  am  Berge  Etwas  in  der  Höhe,  an  der
später  genannten  Gnadenstelle  eine  Frau  in  weißem  Kleide  sitzen  gesehen
haben  wollen,  und  über  diese  erschrocken  sind  sie  nach  Hause  gelaufen;
daun  sind  die  Kinder  wieder  am  andern  Tage  in  den  Wald  gegangen,
da  habe  die  Erscheinung  etwas  tiefer  gesessen  und  habe  wie  am  ersten
Tage  das  Kind  auf  den  Armen  gehabt,  und  Sie  haben  aus  den  Verhandlungen
  entnommen,  wie  die  Erscheinung  beschrieben  wird.  Am
zweiten  Tage  ioll  sie  blau  gewesen  sein,  und  die  Kinder  sollen  dann  an
die  Erscheinung  herangetreten  sein  und  gefragt  haben:  „Wäschen,  wer
binnt  Ihr?"  Die  Person  soll  gesagt  haben:  „Ich  bin  die  unbefleckt
Empfangene."  Am  folgenden  Tage,  dem  4.  Juli,  sei  dann  gefragt  worden:
„Was  ist  Euer  Begehr?"  Die  Erscheinung  habe  dann  erwiedert:  „Eine
Kapelle  von  Stein  und  nicht  r  on  Holz."  Und  ob  man  Kranke  bringen
dürfe:  „Ja,  man  dürfe  Kranke  bringen."  Dann  soll  die  Erscheinung,
die  sich  als  die  unbefleckt  Empfangene  ausgegeben  habe,  gesagt  haben,
sie  sollten  fromm  sein  und  beten.
Am  3.  oder  4.  Tage,  so  hörten  Sie.  habe  sich  dann  dieses  Gerücht
im  Orte  verbreitet  und  es  seien  Kranke  gekommen,  die  Kranken  seien
            
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