Full text : Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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Neur.  fast  immer  einige  Tage,  nachdem  er  sein  Gehalt  empfangen,  Nichts
mehr  besaß  und  Alles  den  Armen  gegeben  hatte.  Eines  Tages  erschien
nun  ein  Mann  bei  ihm,  dem  die  Möbel  wegen  rückständiger  Mieth  e
gepfändet  worden  waren.  Neur.  sagte:  „Geld  habe  ich  nicht,  aber  was
ich  habe,  gebe  ich,"  und  gab  demselben  6  schwere  silberne  Lössel,  welche
man  ihm  vor  Kurzem  gegeben  hatte.  Es  würde  wohl  nicht  Jeder  das
gethan  haben."
Präs.:  „Weitere  Thatsachen  brauchen  wohl  nicht  angeführt  zu
werden,  und  ist  der  Zeuge  entlassen."
Joh.  Matth.  Rath,  47  Jahre  alt,  Pastor  in  Schiffweiler.
Präs.:  „Lie  sollen  mir  Auskunft  geben  über  eine  Unterhaltung
ni  Ihrem  Hause  zwischen  dem  Hrn.  Referendar  Dr.  Strauß  und  den  Herren
Pfarrern  Neureuter  und  Schneider."
Vertheidiger  Simons  legt  daraut  keinen  Werth,  sondern  möchte
den  Zeugen  gefragt  wissen  über  eine  Unterredung,  welche  derselbe  mit
der  Grethchen  Kunz  in  Schiffweiler,  als  Dr.  Strauß  sie  nach
Marpingen  zurückbrachte,  gehabt  hat.
Zeuge  ist  au  dem  Tage  in  dem  Hause  der  Eltern  des  Strauß  ge»
weßn  und  hat  mit  dem  Kinde  gesprochen:  er  habe  das  Kind  gefragt,
wie  es  heiße  und  wo  es  sei  und  wie  es  ihm  in  Saarbrücken  gefalle:
es  sagte:  „Gut!"  —  Was  ihm  fehle?  —  „Neuscht",  („Nichts"),  sagte  es  in
weinerlichem  Tone.  Zeuge  merkte  daran,  daß  das  Kind  H  e  i  m  w  e  h  habe.
Er  habe  der  Grethchen  darauf  gesagt,  sie  selbst  sei  Schuld  daran,  daß
sie  nicht  zu  Hause  sei;  wenn  sie  nicht  gelogen  hätte,  würde  sie  bei  ihrer
Mutter  sein:  daraus  habe  sie  ihm  erwidert:  „Ich  habe  nicht  gelogen."
  Ich  sagte,  sie  sei  auch  schuld,  daß  der  Pastor  ins  Gefängniß
gekommen  sei.  Gretchen  entgegnete  darauf:  „Da  kann  ich  gar
neuscht  dafür."  Ich  sagte,  sie  habe  auch  von  der  Mutter  Schläge
bekommen:  Grethchen  sagte  darauf:  „Ich  habe  nie  von  der  Mutter
Schläge  bekommen;  sie  Hai  mir  nur  mit  Schlägen  gedroht,  wenn  ich  sie
belüge."  Zeuge  habe  ihr  darauf  ein  Kindermärchen  erzählt  von  einem
Mädchen,  welches  gelogen  habe  und  welchein  eine  Kröte  aus  dem  Munde
herausgekommen  sei;  er  habe  sie  dann  fest  angesehen  und  gesagt:  „wenn
Du  sterben  wirst,  wird  Dir  auch  eine  solche  „Krott"  am  Halse  herauskommen."
  Da  sei  das  Kind  vor  ihn  hingesprungen,  habe  mit
dem  Fuße  gestampft  und  gesagt:  „Ich  Hann  si  gestehn!"  (Ich
habe  sie  gesehen!)  Darauf  sei  Dr.  Strauß  hereingesprungeu
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