Full text: Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

— 1.88 
batten, es müßte aber Marpingen darauf stehen. Wir sprachen längere Zeit 
über das Objekt, und das Abkommen wurde getroffen; er mußte den 
Stempel bezahlen und das Geld, 30 J(, hinterlegen." 
Präs.: „Haben Sie nicht seine Zahlung in Ihren Büchern notirt?" 
Zeuge: „Nein, er hat die 30 -4L bezahlt und sich später nicht 
mehr sehen lassen; er wird wohl gehört haben, das; ich in Verhör ge¬ 
nommen worden bin, und wird auch für sich gefürchtet haben. Ich habe 
nach Paris geschrieben lind mir einen Preiskourant senden lassen." 
Präs/: „Die Antwort auf dieses Schreiben ist nom 22. August 
datirt und enthält eine Mnsterkarte von Medaillen; dann kamen Offer¬ 
ten und dann Blättchen und Pappe, auf welche ein Stempel abgedruckt 
ist i Sie haben das bestellt, und hier liegt eine Medaille vor, welche ans 
der einen Seite eine Madonna, die aber nicht zu der Marp. Erscheinung, 
wie sie sonst dargestellt ist, paßt, und an jeder Seite einen Baum zeigt; 
auf der Rückseite steht: „„Erinnerung an die Muttergotteserschemung im 
Walde am 3. Juli 1876."" 
Das dem Zeugen vorgezeigte Muster wird als die von ihm be¬ 
stellt« Medaille nicht anerkannt, es wird daher einer der Kasten geöffnet 
und die Medaille vorgezeigt, welche Hr. Rey als das von ihm bestellte 
Muster anerkennt. 
Vertheid. Simons bittet, festzustellen, daß der Zeuge sofort bei 
seiner 1. Vernehmung gesagt hat: der Händler erklärte mir, „jetzt, da 
die Leute alle nach Marp. gingen." Das erscheine ihm als ein 
wichtiger Moment. 
Präs.: „Ich will es auch noch konstatiren, weil der Punkt wichtig 
ist. Sie sind zuerst vernommen worden ain 7. Oktobr. 1876, das steht 
in den Akten fest. Damals war seit dieser Affaire noch n.icht lange Zeit 
verstrichen. Also konnten Sie das Datum doch noch gut in der Erinne¬ 
rung haben. Und damals haben Sie gesagt: „Ende Mai oder An¬ 
fangs Juni brachte er, nachdem ec mir Waare abgekauft, das Gespräch 
daraus, daß man' j tzt bei den schlechten Zeiten gute Geschäfte machen 
könne, die Leute liefen jetzt alle nach Marp." 
Ober-Prok.: „Ich erlaube mir, die Bemerkung zu machen, daß 
sowohl seitens des öffentlichen Ministeriums als seitens der Untersuchung 
alle möglichen Schritte geschehen sind, um den Speicherer Händler zu 
ermitteln. Es erschien um so nothwendiger, weil in der Nähe von 
Marping n (nämlich in Illingen) kurz vorher' ein Brief an den Rechts¬ 
anwalt Gerhardt in Würzburg auf die Post gegeben wurde, welcher an
	        

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