Full text: Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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„eine Vermittlung meinerseits hat man nicht verlangt. Von Tag ju Tag 
„werde ich immer mehr überzeugt durch die vorgefallenen 
„Wunder. Das Militär hat bona Me gehandelt, es war ihm die 
„Sache als revolutionär dargestellt worden." 
Präs.: „Ist das Thema erschöpft, soweit es für die Vertheidigung 
I teresse hat?" 
Verth. S i m aus bittet, dem Zeugen die Frage vorzulegen, „ob ihm 
in den Unterhandlungen mit dem Beschuldigten jemals eine Aenderung 
des Beschuldigten entgegen getreten ist, aus der er habe schließen müssen 
oder können, daß er nicht sehr ernstlich an die Sache heran¬ 
gegangen ist, und ob nicht gerade die schwerwiegenden Thatsachen 
es gewesen seien, wodurch sich seine Ueberzeugung immer mehr heraus¬ 
gebildet habe?" 
Präs.: „Tind Ihnen Thatsachen bekannt, daß er mit bösem 
Glauben gehandelt habe?" 
Zeuge: „Nein, nicht im Entferntesten; er faßte die Sache nicht 
so sehr kritisch auf, das ist nicht sein Naturell, er ist gewohnt, der Sache 
nicht zu mißtrauen." 
Präs.: „Können Sie, da Sie den Pastor so sehr gut kennen, der 
nach Ihrer Ansicht so wenig zur Kritik geneigt ist, Thatsachen angeben, 
welche vielleicht aufklären könnten, weßhalb er den Beamten, die als gute 
Katholiken besannt sind, und welche eine andere Idee hatten, wie er, 
nicht gleiches Vertrauen entgegentrug, sondern das Vertrauen nur auf 
die Kinder beschränkt", au deren ausführlichen Aussagungen gezweifelt 
wurde, und die nach der Aussage eines Zeugen schlimmer als Ver¬ 
brecher lügen konnten? Können Sie erklären, wie er auf der einen 
Säte so viel Vertrauen schenkte, und aus der andern gar nicht?" 
Zeuge: „Nach meinen Erfahrungen würde er nach der anderen 
Seite, wenn ihm etwas positiv Thatsächliches versichert worden wäre, 
dasselbe Vertrauen entgegengebracht haben. Nachdem er sich überzeugt 
hatte, daß er den Kindern nicht mißtrauen konme und er im Kampfe 
mit sich selbst war, wird er mißtrauig gewesen sein, wenn ihm nichts 
Thatsächliches mitgetheilt worden ist." 
Bachem: „Der Zeuge Scheeben hat seinen längeren Aufenthalts¬ 
ort in Marp. benutzt, um sich zu orientireu, und hat nun selbständig 
die Kinder examinirl. Ich mochte bitten, den Zeugen, welcher 
schärfere Kritik übt als der Pastor Neur., zu fragen, welchen Ein- 
druck denn auf ihn die Kinder gemacht haben?"
	        

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