Full text: Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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wandt worden, im Jahre 1876 betrug die Einnahme der Opfer ca. 3000 
JL, im Jahre 1875 29 JLU 
Bachem bittet den Präs., wenn möglich aus den Akten zu konsta- 
tiren, seit welcher Zeit reichlichere Beträge auf den Altar gelegt worden 
feien. 
Auf die Antwort des Präs., daß er dies nicht könne, bemerkt der 
Untersuchungsrichter Kleber, daß die Berichte über die bedeuiendern 
Opfer erst seit August und September 1877 vorlägen. 
Bachem: ,,Die größeren Beträge fiub nicht in dem Sinne nieder¬ 
gelegt worden, daß der Pastor sie empfangen soll." 
Eine Frage des Hrn. Bachen: an den Zeugen, ob pirZeit seines 
Vorgängers mit den Opfern, welche für die Kirche bestimmt waren, auch 
in derselben Weise verfahren worden sei, und sie ans dieselbe Weise ver¬ 
wandt worden wären, antwortete Zeuge mit „I a." 
Pastor Neureuter erklärt selbst, daß er die Gelder, welche auf 
den Altar gelegt wurden, seit der Zeit des Fremdenverkehrs nicht mehr 
angenommen hat. ob schon er dazu berechtigt gewesen. 
Hentschel, Oberwachtmeister in Marp., früher bereits vernommen: 
„Bei meinem Dienstantritt am l. Aug. inMarp. kamen in den Wochen¬ 
tagen ungefähr 600 Personen nach Marp. Bis September steigerte sich 
die Zahl täglich auf 12- bis 13 0 0. Im September wurde der Besuch 
geringer; an den Wochentagen kamen 1—200 und an den Sonntagen 
4—500 Pilger. Jetzt kommen meist nur noch Mädchen und Frauen aus 
der Umgegend. Bei den Pilgern waren alle Stände vertreten, von der 
Prinzessin herab bis zum Taglühner. Was die gespendeten Opfer be¬ 
trifft, so waren nach den Mittheilungen des Gensdarmen Weber an den 
Haupttagen 4—500, an den andern Tagen 100—150 ^ gegeben worden. 
— Was den Vorfall in der Sakristei betrifft, so hörten wir an dem be¬ 
treffenden Abend gegen 10 Uhr in der Kirche Geldgerappel; bald nachher 
kamen der Glöckner Recktenwald, der Müller Thomo und Hr. Pastor 
Neur. mit einem viereckigen Kästchen unter dem Arin heraus. Als Neur. 
uns bemerkte, gab er das Kästchen dem Thomö und ging nach Hause." 
Aus Befragen gibt Hr. Past. Neur. an, daß er mit einem runden 
Kästchen, worin die ungeweihten Hostien enthalten waren, aus der Kirche 
gegangen sei, so auch an jenem Abend. 
Hentschel: „Was nun tie angeblichen Wunderheilungen betrifft, 
so ist nie ein Gensdarm dabei gewesen, wenn diese geschahen. In der
	        

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