Full text: Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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Bache m: „Ich möchte bemerken, 'daß der Beschuldigte nicht darum 
so viele Fragen stellt, um seiner Person ein gewisses Relief zu geben, 
daß ihn vielmehr, unter Vernachlässigung seiner juristischen Vertheidi¬ 
gung, nur die theologisch-mystische Seite interessirt." 
Dr. Thömes bemerkt, daß er in Zukunft nur die juristische Seite 
im Auge behalten wolle. 
Johanna Alfs, 40 I. alt, Köchin bei Pastor Neureuter in Mar¬ 
pingen: „Im August 1877 erschien eine Frau (die vorige Zeugin) im 
Pfarrhause und brachte ein Cigarrenkistchen, welches ungefähr bis zur 
Halste mit Kupfergeld angefüllt war, welches ich in Empfang nahm. 
Ob dieselbe das Kistchen vorher im Pfarrhause geholt, weiß ich nicht; 
ich habe dasselbe, ohne dem Herrn Pastor Nachricht davon zu geben„ 
dem Kirchenrechner gebracht. Weiteres ist mir nicht bekannt." 
Bachem: „Dr. Thömes wünscht aus verschiedenen triftigen Grün¬ 
den, daß die Zeugin noch nicht entlassen werde." 
Jakob Charriot, 24 I. alt, Zimmermeister und Kirchenrechner 
in Marpingen, Schwager des Beschuldigten Recktenwald: „Seit Früh¬ 
jahr 1877 bin ich zum Kirchenrechner ernannt morden. Dem Herrn 
Pastor steht das Opsergeld zu. Aber seit dem Fremdenverkehr vom 
Juli 1876 ab, als die Opfer bedeutender wurden, hat der Pastor sich 
nicht mehr darum bekümmert. Nur das Geld, welches Sonntags für 
ihn eingesammelt wurde, da er kein Gehalt mehr vom Staate bezog, 
hat er an sich genommen." 
Simons: „Ich mache darauf aufmerksam, daß der Pastor nur 
das für ihn, als Ersatz seines Gehaltes, bestimmte Geld genom¬ 
men hat." 
Charriot: „Auch das am Marienborn geopferte Geld ist für 
die Kirche verwandt worden. Wöchentliche Abrechnungen über das ge¬ 
opferte Geld habe ich nicht gemacht; am Schlüsse des Jahres sagte ich, 
so viel ist eingenommen und so viel ist ausgegeben worden. Die Haus¬ 
hälterin des Pastor Neureuter hat mir auch einmal ein halbes Cigarren¬ 
kistchen voll Geld gebracht, was ain Marienborn gesammelt worden war." 
Simons: „Die Bücher sind zur Zeit auch »ach Trier geschickt 
und daselbst amtlich nachgesehen worden- Dieselben kamen zurück mit 
dem Vermerk versehen, daß sie durchaus in Ordnung gewesen unb nur 
eine Quittung über einen kleinen Betrag gefehlt habe." 
Charriot: „Im Jahre 1877 sind ca. 4000 J(. für dieKirche ver¬
	        

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