Full text : Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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derten  gebetet  und  in  eineil  dort  befindlichen  Opferkasten  geopfert
wurde.
Präs.:  „Ja,  das  ist  richtig,  damals  war  der  Härtelwald  für’»
Publikum  geschlossen,  und  das  Publikum  ging  nach  dem  Marienborn,
weil  es  nach  dem  Härtelwalde  nicht  gehen  konnte."
Verth.  Simons:  „Das  mar  auch  schon  früher  der  Fall."
Verth.  Bachem:  „Und  wo  das  Publikum  nicht  nlir  betete,  sondern
auch  opferte,  so  daß  es  als  etwas  Altes  zu  betrachten  ist."
Präs.:  „Ueber  die  Beträge  werdeil  wir  Gelegenheit  haben  ..."
Verth.  Simons:  „Ja  gewiss,  Herr  Präs.,  wir  werden  hören,  daß
dieses  Geld  alles  an  den  Kirchenrechirer  gekommen  ist."
Katharina  M  n  n  g  e  n  ,  geborene  Schäfer,  45  I.  alt.  ans  Wittlich:
„Ich  habe  im  Säumer  1877  in  Marp.  einen  Stand  gehabt.  Eines  Tages
ging  ich  zum  Pfarrhaus  und  sagte,  die  Opfer  lägen  frei  umher.  Es
waren  2  Mädchen  anwesend,  welche  sagten,  der  Pastor  habe  erklärt,  er
kümmere  sich  nicht  um  das  Opfer.  Da  gab  mir  eines  der  Mädchen  ein
Cigarrenkistcheu  und  sagte,  ich  soll  das  Geld  aufheben,  und  zum  Pfarrhaus
  bringen,  ich  solle  jedoch  die  Schürze  darüber  thun.  Ich  sammelte
das  frei  umher  liegende  Geld  und  brachte  das  Kistchen  zum  Pfarrhaus,
wo  es  mir  die  Haushälterin  abnahm.  Bestimmt  weiß  ich  mich  dieses
Vorfalles  nicht  zu  erinnern."
Präs.  hält  ihr  vor,  daß  sie  laut  vorliegendem  Protokoll  früher  gesagt,
  es  seien,  als  sie  das  Kästchen  in  Empfang  nahm,  drei  Mädchen
dagewesen;  bei  ihrer  Rückkehr  aber  seien  nur  zwei  Mädchen  dagewesen,
und  die  Haushälterin  habe  das  Geld  in  Empfang  genommen.
Dr.  Thömes  fragt  an,  ob  die  jetzige  Lehrerin  von  Marp.  definitiv
  entlassen  sei»  in  diesem  Falle  beantrage  er  die  Vorladung  derselben
als  Schutzzeugin.
Präs.:  „Es  scheint  mir,  als  ob  Sie  aus  Ihrer  Person  etwas  allzuviel
  machen.  Ueberall  wittern  Sie  heraus,  nnb  sagen:  das  biir  ich.
Gestern  haben  wir  noch  2  eklatante  Fälle  gehabt,  wo  Ihre  Zwischenbemerkungen
  für  die  Sache  gar  kein  Interesse  gehabt.  Nachträglich  haben
Sie,  wie  ich  gehört,  noch  geäußert,  daß  der  Brief,  den  ich  gestern  verlesen,
  und  der  von  einem  gewissen  Doktor  sprach,  unter  welchem  doch
nur  Dr.  Brauneck  verstanden  werden  konnte,  vom  Pubi  kam  so  verstanden
  werdeil  könnte,  als  ob  Sie  gemeint  waren,  und  ob  es  nicht  möglich
sei,  daß  ich  erkläre,  daß  Sie  nicht  gemeint  gewesen  wären."
            
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