Full text : Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

waren.  Nun  hören  wir,  daß  in  einer  Zusammenkunft  mit  Dr.  Strauß
am  14.  Januar  1877  im  Pfarrhause  zu  Schiffweiler  derselbe  Ihnen
eine  Darstellung  macht  und  das  Kind  als  ein  so  frech  verlogenes  Kind
schildert,  wie  ihm  noch  kein  Verbrecher  vorgekommen  ist.  Da  meine  ich
doch,  Sie  hätten  alle  Veranlassung  gehabt,  Etwas  zu  thun,  da  Sie  diese
furchtbaren  Zweifel  gegen  die  Glaubwürdigkeit  des  Kindes  hörten.  Wir
finden,  daß  Sie  am  Ende  des  Jahres  1877  also  viele  Monate  nachher
an  dem  Glauben  noch  festhalten.  In  einem  Schriftstücke  sagen  Sie:  „mit
den  Konkurrenzkindern  ist  es  Nichts,  aber  das  Andere  beruht  acff  Wahrheit,
  das  kommt  von  Gott."
Past.  Ne  u  r.:  „Wenn  ich  von  einer  Unmöglichkeit  spreche,  so  spreche
ich  nicht  von  einer  physischen,  sondern  moralischen  Unmöglichkeit,  denn
das  Gericht  inquiriite  ja,  ob  Fragen  durch  die  Kinder  an  die  Erscheinung
gestellt  worden  seien,  und  ich  fürchtete,  daß  das  Gencht  dies  mißbillige,
und  ich  enthielt  mich  der  Fragen."
Präs.  bemerkt,  „daß  doch  nach  der  Darstellung  des  Dr.  Strauß
alle  Veranlassung  vorgelegen  hätte,  sich  zu  vergewissern;  er  hätte  dem
Gerichte  sagen  sollen:  ich  will  eine  Probe  anstellen."
Past.  Neur.  glaubt,  „das  Gericht  hätte  ihn  dazu  erst  auffordern
müssen."
Verth.  Bachem:  „Ja,  das  ist  recht."
Präs.:  «Herr  Vertheidiger,  ich  höre  nicht  gerne  Zwischenbemerkungen."

Pastor  Neur.  bemerkt  ferner,  „daß  Dr.  Strauß  seine  Ueberzeugung
gar  nicht  erichüttert  hat."
Präs.:  „Ja,  das  haben  wir  gehört;  Sie  haben  immer  gesagt
„Ja  da  sind  auch  die  4  Männer!"  —  Wir  wollen  nicht  weiter  darauf
eingehen."
Heinrich  Feiten,  42  I.  alt,  Pastor  in  Fraulautern.  Es  werden
vor  der  Vernehmung  des  Zeugen  2  Briefe  verlesen,  welche  bei  der
Haussuchung  des  Pastor  Neur.  gefunden  wurden.  In  dem  einen  bittet
Pfarrer  Limbourg  um  Aufklärung,  ob  der  Teufelsspuck  vor  oder  mit  der
Mutter  Gottes-Erscheinung  stattsinde;  der  zweite  Brief  rührt  von  einem
Dr.  Hammer  her  und  war  dem  ersten  Briefe  beigeschlossen;  in  letzten»
bemerkt  Dr.  Hammer,  er  habe  Lust,  die  Sache  für  dämonisch  zu  halten,
trotz  der  wirklichen  oder  scheinbaren  Wunder;  Herr  Feiten  habe  ihm
(Hammer)  gesagt,  der  hochwürdige  Herr  Bischof  von  Luxemburg  habe
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