Full text: Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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1877 in Marpingen gefunden. Vor dem Wirthshause stehend, sah er 
einen Zusainineulauf von Menschen und ist gleich darauf zugegangen. 
Der Stader hatte ein Kind am Arme gefaßt und führte eS herum; 
man sollte sehen, wie das Kind durch die Gnade der Mutter Gottes 
geheilt sei. Zeuge hat das Kind darauf genommen und aus den Boden 
gelegt und gesagt: Man möge sich überzeugen, ob ein Wunder vor¬ 
liege. Unter der Menge hätten sich auch vier Geistliche befunden, welche 
sich Notizen in die Bücher machten. Als er das Wunder entlarvt hatte, 
seien die Geistlichen fortgegangen. Zeuge verneint, daß einer der¬ 
be s ch rr l d i g t e n Geistlichen daruuter gewesen ist. Das Kind 
wurde bloß wie eine Puppe im Mariouetteuspiel vorgeführt. Das Frauen¬ 
zimmer, das bei dem Kinde war, machte sich auch gleich fort. Als er¬ 
den Leuten den Schwindel zeigte, hat er laut gesagt, er selbst sei auch 
katholisch, aber sie sollten sich selbst überzeugen. Danach hat sich die 
Menge schleunigst entfernt, als der Betrug heraus war. In St. Wendel 
hat Stader der Menge wieder etwas vorgeschwindelt. Als er mit dem 
K Me fortfuhr, rief dasselbe: „Marpingen! Marpingen !" 
Verth. Simons bemerkt, das; Stader wegen Betrugs verurtheilt 
worden, daß in der Untersuchung nicht der geringste Anhalt gesunden 
worden ist dafür, daß direkt oder indirekt die Sache mit den Beschul¬ 
digten in einem Zusammenhang stehe, und er beantragt, die Unter¬ 
suchungsakten des Stader zu verlesen. 
Präs, lehnt dies ab. 
Verth. Bache in: „(!§ handelt sich für uns um die Beschuldigten, 
und es ist doch dargelegt, das; die Beschuldigten nichts mit der Sache 
des Stader zu thun haben." 
Präs.: „Sie hören, Herr Anwalt, daß Geistliche dort herum stan¬ 
den." 
Verth. Simons: „Der Zeuge hat diese Beschuldigten nicht gesehen; 
ich bitte einfach den Herrn Präsidenten, zu koustatire.:, daß die Unter¬ 
suchung nicht den geringsten Anlaß gegeben hat, daß einer der Be¬ 
schuldigten mit dieser Sache(Stader) in Berührung steht". 
Präs.: „Ob einer der beschuldigten Geistlichen unter den 4 Geist¬ 
lichen gewesen sei, dafür liege nichts vor, aber nach den Akten lag vor, 
daß Geistliche sich in dieser hervorragenden Weise bemühten". 
Verth. Bache m: „Das war aber k e i n e r d e r B e s ch u l d i g t eu." 
Präs, sagt, er wisse nicht, ob weiter nichts dafür spreche. Pastor
	        

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