Full text: Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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wissen Stader aussagen, welcher 511 einem Jahre Gefängniß wegen 
Betrugs verurtheilt worden sei. Das Urtheil sei zwar noch nicht rechts¬ 
kräftig. 
Franz Bingeiner, 57 I. a., Färber ans Tholey, ist am 12. 
Juli 1876 in Marpingen gewesen. Zu der Gnadenstätte ist nicht 
hinzugekommen, weil ein großes Gedränge von Menschen dort nxr. Er 
ist dann in's Wirthshaus von Kreuz in Marpingen gegangen. Da 
war ein Mann Namens Stader, welchen der Zeuge schon im Walde 
gesehen hat. Dort fuhr derselbe ein geflochtenes Wägelchen mit einem 
Kinde von ungefähr 10 Jahren drin. In der Wirthschaft ließ er sich 
von der Wirthin ein Kissen geben, stellte ein paar Stühle zusammen, 
legte das Kind hinein und sagte: „Kind, wie sind deine Beine so kalt !'* 
Als Stadler einmal hinausgegangen, hat Zeuge sich überzengt, daß die 
Beine auch kalt waren. Das Kind wollte dann hinaus, und Stadler 
hat es hinausgetragen und auf die Bank vor dem Hause hingestellt. 
Da hat das Kind, im Rücket: von Stadler gehalten, sich etwas fortbe¬ 
wegt. Dann hat Stadler das Kind an einen dein Hause gegenüber¬ 
stehende!: Wagen gestellt und das Kind hat sich an der Deichsel fort¬ 
bewegt und gesagt, ich kann schon wieder gehen. Der Vater sagte, das 
wird sich schon machen. Das Kind wollte auch die Treppe hinauf 
gehen . .. 
Vertheidiger Simons bemerkt, daß diese Sache in gar keinem 
Zusammenhange stehe zu den Beschuldigungen, welche gegen seine 
Klienten vorgebracht würden. 
Vertheidiger Bachem sagt, daß er demzufolge auch die Kölner 
Verhandlungen über die Exzesse des Militärs in sein Plaidoyer hinein¬ 
ziehen werde. 
Präsident bemerkt, daß er sich einem Hineinziehen der Militär¬ 
szene in's Plaiooyer widersetzen werde. 
Die Vertheidiger machen nochmals darauf aufmerksam, daß dieser 
Vorfall in gar keinen Zusammenhang gebracht werden könne mit der 
gegen die Beschuldigten gerichteten Anklage. 
Präs, bemerkt daraus, das wolle man eben sehen. Die Zeugen 
seien benannt, und wenn auch diese Geschichte nicht genannt worden sei, 
so sei doch immer die Rede davon, die Erscheinungen seien wahr, cs 
seien Heilungen vorgekommen, und deßhalb könne anch diese Sache be¬ 
handelt werden, damit das Publikum sich überzeugen könne, wie hie 
und da Betrug getrieben wordei: sei.
	        

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