Full text : Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

Erke  Sitzung.
Montag  den  3.  März,  von  i)  bis  halb  1  Uhr.
Die  Zuchtpolizeikammer  ist  zusammengesetzt  aus  den  Herren  Kammerpräsident
  Cormann  (Vorsitzender)  und  den  Assessoren  Jerusalem  und
Reusch.  Das  öffentliche  Ministerium  wird  vertreten  durch  Hrn.  Ober-Prokurator
  Pattberg.  Außerdem  wohnt  ein  Ergänzungsrichter  sowie
ein  zweiter  Vertreter  der  Staatsanwaltschaft  für  unvorhergesehene  Fälle
den  Verhandlungen  bei.
Es  werden  die  Beschuldigten,  ungefähr  200  Belastungszeugen  und
26  Schutzzeugen  aufgerufen.
Oberprokurator  P  a  t  t  b  e  r  g  theilt  mit,  daß  der  Staatsprokurator
Linz,  welcher  habe  auftreten  sollen,  an  der  Diphtheritis  erkrankt  sei,
und  daß  in  Folge  dessen  er,  der  Oberprokurator,  auftrete.  Er  betonte
dann,  daß  die  Justizbehörde  die  ganze  Untersuchung  mit  größter  Ruhe
betrieben  habe,  daß  sie  nicht  hinabgestiegen  sei  auf  den  Boden,  auf  welchem
  der  Kampf  der  Parteien  getost  habe.  Anfangs  sei  die  Untersuchung,
ohne  daß  bestimmte  Personen  genannt  worden,  auf  Auflauf,  Landfriedensbruch
  u.  dgl.  gerichtet  gewesen,  im  Laufe  der  Untersuchung  habe
sich  die  Sache  konkreter  gestaltet  und  seien  aus  der  Voruntersuchung  die
heutigen  angeklagten  Personen  und  die  heute  vorzutragenden  Beschuldigungen
hervorgegangen.  „Von  Haus  aus  ist  die  Sache  in  der  Hand  der  richterlichen
  Behörden  gewesen,  und  nicht  von  Außen  her,  sondern  vom
öffentlichen  Ministerium  sind  die  Strafanträge  gestellt  worden.  Die
Rathskammer  hat  ihren  Beschluß  im  September  1878  gefaßt."  —  Der
Oberprokurator  verliest  dann  die  Namen  der  Beschuldigten  sowie  die
Beschuldigungen.
Den  meisten  Beschuldigten  wird  zur  Last  gelegt  Betrug  resp.
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