Full text : Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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Präs.:  „Ich  bin  vielfach  in  Bergmannsdörfern  gewesen;  die  Leute
sorgen  wenig  für  frische  Luft  in  ihren  Stuben,  namentlich  im  Winter;
das  Mädchen  lag  von  Mitte  Januar  bis  Juli  25  Wochen  krank  im
Zimmer,  welches  von  Januar  bis  April  geheizt  wurde,  im  Juli  kam
es  in  die  frische  Luft,  es  wurde  durch  die  Waldlust  getragen,  wie  lange,
ist  nicht  festgestellt;  man  könnte  sich  denken,  daß  das  Kind  durch  diese
Manipulationen,  durch  dieses  Tragen  ermüdet  wurde;  durch  die  Einathmiing
  der  gesunden  Luft  beeinslustt,  durch  die  Bewegung  und  die
Ermüdung  hat  es  Schlaf  erlangt.  Können  Sie  nun  von  Ihrem  medizinischen
  Standpunkte  aus  es  als  erklärlich  finden,  daß  das  Kind,
welches  Tages  vorher  die  Milch  ausgebrochen,  durch  die  Einathmung
der  Luit  sich  gekräftigt  gefühlt  hat  und  in  natürlicher  Weise  in  einen
Zustand  versetzt  wurde,  das;  es  des  anderen  Tages  ein  Frühstück,  bestehend
aus  Milch  und  einem  Brödchen,  geniesten  konnte,  ohne  sich  zu  erbrechen?
Ist  das  plausibel  ?"
D  r.  Brauneck:  „Warum  soll  das  nicht  plausibel  sein?  Einmal
must  ja  doch  das  Brechen  aufhören,  wenn  das  Kind  am
Leben  bleiben  soll,  und  wenn  man  so  lange  frische  .  Luft  entbehrt
hat,  dann  mag  dieselbe  wohl  sehr  wohlthätig  wirken."
Simons:  „Die  Einwohner  von  Marp.  sind  nicht  Bergleute,
sondern  Ackersleute;  nur  einzelne  Bergleute  gibt  es  da.  Nicht  der  Umstand,
  dast  das  Kind  die  Milch  nicht  ausgebrochen  hat,  fetzte  die  Leute
in  Verwunderung,  sondern  die  Thatsache,  dast  das  Kind  allein  stehen
konnte  und  die  dazu  nöthigen  Kräfte  plötzlicherlangt  hat,  während
sonst  die  Kräfte  sehr  langsam  zurückkehren."
Präs.:  „Das  Kind  war  7'-  Jahre  alt;  es  war  ihm  mitgetheilt
worden,  dast  es  an  die  Stelle  gebracht  werde,  um  dort  wunderbar  geheilt
  zu  werden;  das  ist  also  ein  psychisches  Moment."
Simons:  „Ich  will  den  Sachverständigen  nicht  gefragt  wissen,
ob  es  den  Leuten  wunderbar  erscheinen  konnte,  sondern  nur,  ob  es
ihnen  auffällig  erscheinen.konnte,  dast  das  Kind  so  plötzlich  seine
Kraft  erhielt."
B  r  a  u  n  e  ck:  „Gehversuche  waren  nicht  gemacht  worden,  es  hatte
Kräfte  gesammelt;  an  einem  Tage,  der  in  frischer  Lust  zugebracht
wird,  kann  man  mehr  Fortschritte  machen,  als  sonst  an  mehreren  Tagen  ;
die  Leute  waren  daran  gewöhnt,  dast  das  Kind  nicht  mehr  gehen  könne."
Simons  verlangt  wiederholt  Antwort  auf  seine  Frage,  ob  Brauneck
nicht  derAnsicht  sei,  dast  dieLeute  diesen  Vorfall  auffäll  ig  finden  konnten.
            
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