Full text: Geschichte der evangel. Gemeinde Alt-Saarbrücken

wird fogar berichtet, dalj man mit Naien- und Ohrenabfehneiden drohte, 
während man den Willigen Freiheiten und Ehrenämter verfprach. So 
machte man natürlich Abtrünnige, aber diele „Neubekehrten“ mußten nun 
mit Zwang zur Erfüllung ihrer religiöfcn Pfliditen angehalten werden. 
Infolge diefes Zwanges nahm die katholifche Bevölkerung fehr ftark zu. 
Eine franzöfifche Zufammenftellung aus dem Jahre 1688 zahlt in Saar¬ 
brücken 58 Familien, darunter 16 katholifche, 2 reformierte und 40 
lutherifdre; in St. Johann 193 Familien, darunter 63 katholifche, 14 
reformierte und 116 lutherifdre. In Saarbrücken befanden fich 179, in 
St. Johann 511 Kinder. Unter der Jugend trat die fchrofffte konfeffionellc 
Scheidung ein. Es wurde eine befondere Schule in den Städten ge¬ 
gründet, in der die Kinder in der katholifchen Religion und in der fran- 
zöfifchen Sprache unterridrtet wurden, den Katholiken und Neubekehrten 
bei 10 fr. Strafe monatlich eingefchärft, ihre Kinder in diele Schule 
zu ichicken. Graf Ludwig Kraft feinerfeits wandte fidi an die evan- 
gelifchen Eltern mit dem Gebot, ihre Kinder vom 6, bis 15. Jahre 
in die (deutfehe) Schule zu fdricken, da fonft in Zukunft keiner unter 
der Bürgerfchaft beider Städte gefunden werde, der zur Belegung eines 
Stadtamtes oder zu andern öffentlichen Dienften tauglidr fei. So Fan¬ 
den fich eine deutfehe evangelifche und eine franzöfifdre katholifche Partei 
gegenüber. 
Der Friede von Ryswyk (1697) gab dem Grafen den unbefdrränkten 
Befit) feines Landes zurück, und die alten Einrichtungen traten wieder 
in Kraft. Nur eine wichtige Folge der franzöfifchen Hcrrfdraft blieb 
beheben. Durch die fogenannte Ryswyker Klaufel wurde beftimmt, 
da^ die katholifche Religion an allen zurückzugebenden Orten in dem 
Zuftand bleiben folle, in dem fie jetzt fei. Dodr nach dem Abzug der 
Franzofen ftellte die evangelifdre Bürgerfchaft von St. Johann den An¬ 
trag, da(z ihr wenigftens die Mitbenutzung der entriffenen Kirche wieder 
gebattet würde. Graf Ludwig Kraft gab dem billigen Wunfche audr 
Folge, und er führte das exercitium fimultaneum, d, h. die gemein- 
fchaftliche Benutzung der Kirche durdr Proteftantcn und Katholiken ein. 
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