Full text: Geschichte der evangel. Gemeinde Alt-Saarbrücken

fürften Friedrich von der Pfalz, den jungen Pfalzgrafen Philipp, den 
Herzog Nikolaus von Lothringen und den Bifchof von Speier zu einem 
Feft nach Saarbrücken eia> So ergibt fich mit großer Wahrfcheinlichkeit, 
dal? der Bau der Schloljkirche auf Veranlagung des Grafen Johann III., 
alfo vor dem Jahre 1472, begonnen worden ift, und dal? damals nicht 
nur der nördlidre Vorbau, die Sakriftei, fondern das Hauptfchiff der 
Kirdie eniftanden ift. Vielleicht hat der Bifdiof von Speier den Grafen 
darauf aufmerkfam gemadit, dal? die i. J. 1261 erbaute und baufällige 
Kapelle nicht feinem Anteilen entfpredic. Zu einem befriedigenden 
Stadtbild gehörte audi ein würdiges Gotteshaus. Darin wetteiferten 
im Mittelalter Fürften und Bürger. Die SchIoI?kirche war urfprünglidi 
ein einfdiiffiger Bau mit einer Kapelle und Sakriftei, die an der Nord¬ 
feite angebaut find. Der Chor bildet ein Fünfeck, der Glockenturm 
fteht an der Südweftedce der Kirche. 
Unter dem Grafen Ludwig (1602—1627) wurde die iüdliche Seiten¬ 
wand des Schiffes zu drei Viertel ihrer ganzen Länge ausgebrochen 
und an diefe Oeffnung ein Seitenfchiff angebaut, in dem zwei Bühnen 
übereinander angebracht wurden; auf der einen Bühne befand fich 
der Fürftenftuhl. Graf Ludwig liel? auch eine neue Kanzel errichten, 
die im Jahre 1623 eingeweiht wurde. Sie ruht auf einer jonifdien 
Säule und ift mit den Bildern hervorragender Kirchenlehrer gefchmüdd: 
Auguftinus, Hierom mus, Ambrofius, Chryfoftomus, Athanafius und 
Cyrillus. An der Schalldecke lieft man die Infchrift: „Rufe getroft und 
fdione nicht, erhebe deine Stimme wie eine Pofaune!“ (Jefaias 58,1.) 
Auf drei von Engeln gehaltenen Schilden fteht: Gloria in excelsis 
Deo (Ehre fei Gott in der Höhe), Die Schalldecke erhält ihren Ab- 
fchlul? durch das Symbol der chriftlichen Liebe, einen Pelikan, der 
feine Jungen mit feinem eigenen Blute nährt. Auch eine neue Orgel 
wurde damals eingefügt. Graf Ludwig hat auch eine neue Hofkapelle 
gebaut. Diefe wurde am 12. November 1615 von dem Superintendenten 
Magifter Georg Keller geweiht. Seine Predigt bei der Einweihung 
der „von newen uffgebaweten Naffau-Saarbrückifchen Hoff Capell“ ift 
180
	        
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